Michele de Lucchi

Designer des Jahres 2015 – Michele de Lucchi

Kurzporträt

Michele de Lucchi hinterfragt alles, was er macht und entwirft. Er beschäftigt sich intensiv mit der Welt, die ihn umgibt und hat radikale Architektur- und Designbewegungen wie Cavart, Alchimia und Memphis mitgegründet. „Ich gebe mich nicht damit zufrieden, dass Dinge schon immer so getan wurden. Ich will wissen, was im Einzelnen dahintersteckt, was möglich ist", hat de Lucchi einmal gesagt.

Seine intellektuelle Ernsthaftigkeit wird kontrastiert von seiner Liebe zu Farben und verspielten Formen, seiner Lust an Fantasie und Kreativität, die sich etwa in seinen Memphis- Entwürfen widerspiegelt. Dabei ist sein wohl erfolgreichster und bekanntester Entwurf, die Tolomeo-Leuchte, die er eigentlich für sich selbst designte, ausgesprochen funktional und reduziert.

Michele de Lucchi hat nicht nur ein Faible fürs Zeichnen und trägt ständig sein Zeichenbuch mit sich, sondern er ist auch fasziniert von neuen Technologien und hat als Chefdesigner von Olivetti eine ganze Reihe technischer Geräte gestaltet. Er sieht Technologie als Chance, eine bessere Umgebung fürs menschliche Leben zu gestalten. Der Architekt und Designer setzt sich engagiert für mehr Nachhaltigkeit ein. Das gilt nicht für fürs Produktdesign, sondern – de Lucchi hat das große Ganze im Blick – auch für die Gesellschaft. Er plädiert für ein produktiveres, nachhaltigeres Miteinander und hat schon als Student 1973 in der Uniform eines napoleonischen Generals vor dem Gebäude der Mailänder Triennale gegen zu viele überflüssige Produkte demonstriert.

Heute verbindet de Lucchi in seinen Arbeiten Industrie und Handwerk. "Die Industrie braucht Handwerk und das Handwerk braucht die Industrie", sagt er und hat mit seiner Frau die " Produzione Privata " gegründet, die handgefertigte Produkte herstellt. Sie gibt ihm ohne Druck durch Auftraggeber den Rahmen für immer wieder neue Experimente, durch die er sich beständig weiterentwickeln kann.

Eines der bislang letzten Projekte Michele de Lucchis sind die "Häuser der Wiese" im Zirmerhof in Radein – ein Hotelanbau. Jedes Haus ist mit Holzschindeln bedeckt, die an alte Heuschober erinnern. Die Einrichtung hat er in großen Teilen speziell für diese Häuser entworfen. Ein Projekt ganz nach dem Geschmack Michele de Lucchis, der einmal gesagt hat: "Wir wollen ein Objekt mit neuen Fantasien aufladen. Und mit neuen Bedeutungen, denn Fantasie heißt, Bedeutungen zu schaffen. Wenn unsere Fantasie stirbt, kollabiert auch die Menschheit." Die Häuser der Wiese sind überraschend, nachhaltig, konsequent und haben eine ganz eigene Geschichte: Das Holz für die beiden Häuser der Wiese stammt ausschließlich aus den hauseigenen Wäldern des Zirmerhofs, die Ende 2018 beim Jahrhundert-Sturm Vaia umgestürzt waren. 

www.micheledelucchi.com

Lebenslauf

Geboren 1951 in Ferrara
1975 Abschluss des Architekturstudiums mit Diplom in Florenz
Mitte der 1970er Jahre lehrte er Industriedesign an der Universität Florenz und wurde einer der engsten Mitarbeiter und Freunde von Ettore Sottsass Mitglied und Mitbegründer der Bewegungen Cavart, Alchimia  Gründung der Memphis Group zusammen mit Ettore Sottsass und Barbara Radice
1979 Designberater für Olivetti
In den 1980er Jahren Entwürfe postmoderner Möbel und Wohnaccessoires 
1988 Gründung des „Studios De Lucchi" 
1992 Chefdesigner Olivetti
1998 Gründung der Firma „amdl“ mit Büros in Mailand und Rom
2001 Berufung zum Professor an der Design- und Kunstfakultät der Universität in Venedig
2006  Ehrendoktorwürde der Kingston University für seine Bemühungen um Lebens- und Wohnqualität
2008 Ernennung zum Professor an der Fakultät für Design an der Politecnico di Milano
2008 Ernennung zum Mitglied der Academia Nazionale di San Luca in Rom
2015 Biografie "My Horrible Wonderful Clients"

Wichtige Entwürfe
Design

  • Leuchte Tolomeo von Artemide
  • Leuchte Noto von Artemide
  • Espressokanne Pulcina für Alessi
  • Sofa „Lido“ für Memphis
  • Leuchte „Oceanic“ für Memphis
  • Büro-Utensilien Segmenti für Kartell
  • Fax OFX1000 für Olivetti
  • Notebook „Echos 20“ für Olivetti
  • Drucker „Art Jet 20“ für Olivetti

 

Architektur

1983 Casa per le Vacanze für die Triennale von Mailand
1999 Interior Design der Postfiliale 15 in Mailand
2000-2003 Erneuerung der Priolo Gargallo Power Station in Siracusa, Italien;
2000-2007 Hospiz Villa Sclopis, Salerano, Turin
2003-2009 Neues Museum Berlin
2004-2006 Südeingang der Piaggio-Fabrik, Pontedera, Pisa
2006-2009 Innenministerium von Georgien und Polizeihauptquartier in Tbilisi, Georgien;
2004-2008 Teatro Franco Parenti, Cittadella dello Spettacolo, Mailand
2006 Hotel Medea, Batumi, Georgien
2009-2010 Die Bridge of Peace, Tbilisi, Georgien
2013-2015 UniCredit Pavilion, Mailand
2015 Padiglione Zero, Expo 2015, Mailand
2020 Häuser der Wiese im Zirmerhof in Radein

 

Auszeichnungen

1989 Compasso d`Oro für die Lampe Tolomeo von Artemide
1997 IF Product Design Award-Best of Category (Deutschland) für einen Schalter eines Reisezentrums der Deutsche Bahn AG
2000 Ernennung zum Offizier der italienischen Republik für die Dienste an der Design- sowie der Architekturwelt
2002 Designpreis der Bundesrepublik Deutschland für die Beleuchtungseinrichtung Palme von Artemide
2008 Il Ponte Award der Fondazione Europea Guido Venosta in Italien für die Zugangsbrücke des Triennale Design Museums in Mailand
2009 Reddot Design Award, Best of the Best (Deutschland) für die Lampe Noto von Artemide

 

Kunden

Acerbis, Alessi, Arflex, Artemide, Bodum, Fontana Arte, Haworth, Mandarina Duck, Molteni, Rosenthal, RB Rossanan, Olivetti, Pelikan, Vistosi

Designer Architekt
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