Leben im Fluss: Studio Charlotte Taylor

Der Vorteil digitaler Bauwerke und Innenarchitektur? Alles ist möglich! „Uns erreichen tatsächlich immer wieder viele Mietanfragen“, verrät Charlotte Taylor aus London, die mit ihrem „Icelandic House“ eine fiktionale Ikone geschaffen hat.

Die Visualisierungen zeigen einen eleganten, einsamen Bungalow, der auf verchromten Stelzen über einem schmalen Flusslauf schwebt. In den Fassaden reflektiert sich eine an Island erinnernde Landschaft. Einer bestimmten Epoche will sie sich jedoch nicht so recht zuordnen lassen. Klarheit und Transparenz, Ausstrahlung und Patina verorten den Bau in der Nachkriegsmoderne – doch das Haus ist völlig unbekannt. Kunst oder Architektur? „Es sind Kunstwerke“, definiert die junge Britin ihre Bilderwelten.

„Viele der fiktionalen Häuser sind standortspezifisch“, erklärt Charlotte Taylor. Wie ein digitaler Flaneur sucht die Künstlerin und Designerin im Netz nach inspirierenden Umgebungen, in denen sie ihre Hausvisionen wachsen lassen kann. Jeden Entwurf entwickelt sie von außen nach innen, wobei sie Ideen zunächst per Hand zeichnet. Im nächsten Schritt werden Skizzen und Moodboards von 3D-Zeichner und Architekten in Visualisierungen übersetzt. Zum Schluss werden in den Kompositionen private Objekte und Details platziert, um die Geschichte hinter dem Bild darzustellen.

Bis zu sechs Monate kann dieser Prozess dauern. Alle Beteiligten sind Perfektionisten, ihre Motivation ist die gemeinsame Leidenschaft für außergewöhnliche Architektur. Richard England, Ricardo Bofill, Carlo Scarpa und Linda Bo Bardi nennt Charlotte Taylor als ihre großen Vorbilder. Sie begeistert sich vor allem für Klassiker der Moderne, weniger beeindruckt zeigt sie sich von zeitgenössischer Architektur.

Charlotte Taylor: „Wir geben nie preis, wer in einem Haus wohnt, aber gibt eine Erzählung, die uns bei der Raumgestaltung hilft.“ Für dieses Haus habe sie einen Architekten aus Deutschland im Kopf gehabt, der hier seinen kreativen Rückzugsort inmitten einer Naturidylle gefunden hat. Das faszinierende Haus in Island wird vorerst Fantasie bleiben, doch hat Charlotte Taylor ihre Wurzeln in der Realität. Diese wird sich bald auf wunderbare Weise mit ihren Architekturvisionen verbinden, wenn sie sich im Sommer auf ihre erste Baustelle in die Wüste von Utah begibt. Die Architektur, sie war schon immer da.