Unkonventionell Faszinierender Briefwechsel

Schatten, Trockenheit, kiesiger Boden: Für Beth Chatto waren das keine Hindernisse, einen der meistbewunderten Gärten Englands zu schaffen und eine Generation von Pflanzenfreunden mit unkonventionellen Lösungen zu beeindrucken. Ihr Mitstreiter im Geist war der Gartenrebell Christopher Lloyd. Sie führten eine amüsante Korrespondenz.

Freitag, den 26. April

"Dear Beth, bei uns hat der rote Lilienkäfer alle Blätter der Kaiserkronen abgefressen. Ein richtiger Fluch, denn seine Larven zerstören auch Knospen und Blüten der Lilien und aller verwandten Pflanzen in kürzester Zeit. Oh, und ein peinlicher Zwischenfall ist in der Gärtnerei passiert. Die 20 Bambusbäume, die wir im Herbst verkauft haben, blühen – und das ist ja bekanntlich ihr Ende. Der Kunde war glücklicherweise verständnisvoll. Much love, Christopher"

In einem faszinierenden Briefwechsel haben sich die beiden langjährigen Freunde nicht nur über ihre Gärten, sondern auch über die Freuden und Leiden des Alltags ausgetauscht. Dabei waren ihre Ausgangsbedingungen so unterschiedlich gewesen, wie man es sich nur denken kann: Christopher Llyod hatte seinen Garten mit dem von Edwin Lutyens restaurierten 400 Jahre alten Haus von den Eltern übernommen. Lutyens war nicht nur einer der bedeutendsten englischen Architekten der Zeit, bis heute berühmt sind seine Kooperationen mit der Gärtnerin Gertrude Jekyll. Beth Chatto dagegen hatte ihr Areal dem eher kargen East-Anglia-Boden abgetrotzt. Für sie der Beweis dafür, dass man auch unter schwierigsten Bedingungen ein Paradies erschaffen kann. „Right plant, right place“ lautete ihre Devise. Mit anderen Worten: Die richtigen Pflanzen mit den richtigen Partnern am richtigen Ort gedeihen wie von selbst.

Diese goldene Regel hatte Beth Chatto schon gelernt, als sie noch als Kind im elterlichen Garten ihr eigenes Stückchen Land bepflanzte. 1923 in Colchester geboren, besuchte sie die County High School for Girls und begann eine Ausbildung als Lehrerin. 1943 heiratete sie Andrew Chatto, einen 15 Jahre älteren Obstgärtner, der aus einer Verlegerfamilie stammte und sehr an Pflanzenökologie interessiert war.

Die jungen Eheleute lebten 18 Jahre lang mit ihren Töchtern Diana und Mary in Colchester, im Haus von Andrew Chattos Eltern. 1960 bauten sie ganz in der Nähe, in Elmstead Market, ihren eigenen Bungalow. Sie nutzten unfruchtbares Gelände, das an Andrews Obstplantage angrenzte. „Teils war es trockener steiniger Sandboden, teils Sumpf.“ Als die Obstgärtnerei 1970 geschlossen wurde, konzentrierte sich die Familie auf Beth Chattos 1967 gegründete Zierpflanzengärtnerei „Unusual Plants“.

Schlagworte:
Autor:
Josephine Grever
Fotograf:
Howard Sooley