Unkonventionell Pflanzenreichtum im Garten

Schatten, Trockenheit, kiesiger Boden: Für Beth Chatto waren das keine Hindernisse, einen der meistbewunderten Gärten Englands zu schaffen und eine Generation von Pflanzenfreunden mit unkonventionellen Lösungen zu beeindrucken. Ihr Mitstreiter im Geist war der Gartenrebell Christopher Lloyd. Sie führten eine amüsante Korrespondenz.

Mithilfe ihres Mannes begann sie, einen Garten rund um das Haus anzulegen. Es war eine Herausforderung, aber im Lauf der Jahre entwickelten die Chattos verschiedene Gartenbereiche, die sich heute mit einem unermesslichen Pflanzenreichtum präsentieren: Vier Teiche – einer etwas unterhalb des anderen und umgeben von Bambus, Farnen und Sumpfzypressen – bilden den Wassergarten. Der Kiesgarten besteht aus trockenheitsresistenten Gräsern und Lavendel- Arten, der Steingarten aus alpinen Pflanzen in hoch angelegten Beeten. Der Waldgarten entstand 1989, zwei Jahre nach einem verheerenden Orkansturm. Das Ehepaar legte ihn im lichten Schatten von alten Eichen an, die den Hurrikan überlebt hatten. Wie homogen und kompakt er geworden ist, hat Andrew Chatto nicht mehr erlebt. Er starb 1999 nach langer Krankheit. „Im Frühling, sobald der Winter sich zurückzieht und das Sonnenlicht stärker wird, gibt es hier kein Halten mehr“, schrieb Beth Chatto. „Dann hält dieser Teil des Gartens beinahe jeden Tag neue Überraschungen bereit.“ Blühende Krokusse, Narzissen, Primeln, Buschwindröschen und Anemonen verwandeln den Waldboden in einen blühenden Teppich. Vergissmeinnicht, Veilchen und Christrosen füllen dunkle Ecken. Unter den Birken breiten sich rote und gelbe Kaiserkronen aus. Es gibt Farne, alle Arten von Funkien, prächtige Herzblumen. „Die Schneeglöckchen drei, vier Jahre lang zu teilen hat sich gelohnt“, schreibt Beth, „sie haben sich derart vermehrt, dass sie den Boden zwischen unseren alten Eichen inzwischen völlig bedecken.“ Die Schatten spendenden Eichen wirken wie ein gewaltiges und schützendes Dach über einer Blütenpracht in harmonisierenden Pastellfarben.

Beth Chatto hat den Garten arrangiert wie ein Maler sein Bild. Überflüssig die Frage, ob das viel Arbeit macht. „Hauptsächlich viel Blättermulch und viel Kompost“, lautet die lakonische Antwort. Aber ihrem Brieffreund Christopher Lloyd scheint sie doch von den körperlichen Anstrengungen erzählt zu haben. „Wie steht es mit Deinen verspannten Schultern?“, fragte er besorgt. „Kommt diese nette junge Dame weiterhin jeden Morgen, um Dich zu massieren?“ Beth Chattos Reaktion ist typisch für eine Frau, die ihren Garten dem Land abgetrotzt hat.

Mittwoch, den 24. Januar

"Dear Christo, Du scheinst mich wirklich für ziemlich extravagant zu halten. Jeden Morgen eine Aromatherapie – so weit wird es noch kommen. Einmal alle vierzehn Tage reicht völlig. Much love, Beth"

Schlagworte:
Autor:
Josephine Grever
Fotograf:
Howard Sooley