Lady Soft Skills Landschaftsarchitektur

Petra Blaisse ist eine Meisterin der Weichzeichnung. Mit Mega-Vorhängen und Grünanlagen mildert sie die oft schroffen Seiten der Bauten von OMA.

Die meisten landschaftsarchitektonischen Projekte liegen in den Regionen von 1001 Nacht oder noch weiter weg, zurzeit in Katar, Ras al Kheimah, Dubai, Kuwait und Hongkong und bis vor Kurzem auch in Libyen: Gegenden, mit einer uns fremden Landschaft. Was ist es für ein Gefühl, unter solchen Vorzeichen zu arbeiten? „Ein sehr zweischneidiges“, sagt Petra Blaisse. „Wir wollen das moralisch Gute, untersuchen die lokale Situation, arbeiten uns in das Land, seine Geschichte, seine Flora und Fauna ein, fragen Spezialisten, Archäologen und Geologen, bevor wir entwerfen.“ Unterdessen wollen die Scheichs meist etwas ganz Kindliches. „Wo sind die Rosen?“, habe die Scheika von Katar gefragt, nachdem Petra Blaisse für ihre Katar-Foundation einen ehrgeizigen botanischen Garten für Pflanzen aus der Wüste entworfen hatte.

Bibliothek der Bäume

Eine „Bibliothek der Bäume“ soll der neue Park für Mailand werden. Neun Hektar groß, liegt er neben dem populären Viertel Brera. Jeder Kreis besteht aus einem anderen Gehölz. Wege sollen bisher getrennte Stadtteile verbinden.

Während wir Parks und Stadtteile im Orient und Fernen Osten in den seltensten Fällen sehen werden, wächst in Mailand jetzt das erste große, zugleich von Koolhaas unabhängige Gartenprojekt in unserer Nähe. Wenige Spazierminuten von dem berühmten Conceptstore im Corso Como 10 entfernt, entsteht ein neuer Mailänder Stadtteil: die Porta Nuova, mehrere Büro- und Wohntürme, in der Mitte ein neun Hektar großer Park mit integriertem Modemuseum. Verstimmt schauen viele Mailänder auf das Projekt, das ihnen die Skyline verdirbt. Es scheint, als gehe Petra Blaisse ihrer gewohnten Aufgabe nach und mildere Hartes mit dem Park als Bonbon inmitten einer gigantischen Immobilienspekulation. In ihm sollen sich Wege treffen, in die Stadtteile ausstrahlen und „verbinden, was bisher unverbunden war“ – ein Netz, über dem ein zweites liegt, aus Rasen-, Strauch- und anderen Gärten, und noch ein drittes aus Baumkreisen. Jeder Kreis: eine Gehölzart. „Biblioteca degli Alberi“ hat Petra Blaisse ihr enzyklopädisches Gebilde getauft. Zur Expo 2015 soll die Vision wirklich sein.

Seite 2 : Landschaftsarchitektur
Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Malou van Breevoort