Schweden setzt die Trends im Garten Carl von Linné´s Vermächtnis

Sommerblüten statt Hecken-Einerlei, Küchenbeete gegen Gräser-Monotonie: Schweden setzt die Trends im Garten. Vor allem in Göteborg mit seinen vier großen Parks, in denen die Mitarbeiter Pflanzenexperimente in eigener Regie machen können. Ein Besuch bei der grünen Avantgarde. 

Botanisieren, herbarisieren, Pflanzen-Exkursionen unter gelehrter Führung wurden Zeitvertreib der gehobenen Gesellschaft. Statt wie früher seltene Hyazinthensorten pinselten Porzellanmaler einfache Trollblumen oder Wilde Möhren aufs Prachtservice. Natur und Garten wurden Konversationsthemen. Und der Schwede Linné galt den Zeitgenossen als so bedeutend wie Shakespeare. ie Ruhm wirken kann, erlebt heute Ulf Nordfjell. Er ist einer der aktuellen schwedischen Gartenprominenten und wurde endgültig zum Star, als er mit seinem Linné- Garten auf der Chelsea Flower Show 2007 die Goldmedaille gewann.

Den neuen Nimbus setzte der Landschaftsarchitekt ein, um ein zweites hortikulturelles Glanzstück in Göteborg aus dem Dämmerschlaf zu wecken: den Gartenbauverein (Trädgårdsföreningen), einen elf Hektar großen Park, 1842 zur Förderung der Gartenkenntnisse der Stadtbürger gegründet. Das 19. Jahrhundert hindurch präsentierte er Musterbeete, Gewächshäuser für Pfirsiche, Ananas, Orchideen und mehr. In der Saathandlung – heute befinden sich in der imposanten Holzarchitektur eine Gartenboutique und ein Café – konnte man Gemüse- und Blumensamen erstehen. Bestseller waren „Vogelfutter und Rasensaat“, weiß Ulf Nordfjell. Als er zur Revitalisierung des zentral gelegenen Parks gerufen wird, war davon wenig übrig.

Wie an vielen Orten hatte „Low maintenance“ der pädagogischen Vielfalt den Garaus gemacht. Doch die Aura des Goldmedaillen-Mannes öffnete den Stadtvätern das Portemonnaie. Er stellte eine internationale Truppe von Gestaltern zusammen, jeder ein Held auf seinem Gebiet: Piet Oudolf, berühmt für naturnahes Gärtnern in formalen Heckenarchitekturen, und Jacqueline van der Kloet, Zwiebelpflanzen-Profi, beide aus Holland. Dazu Heiner Luz aus Deutschland, Spezialist für Staudenwiesen. Jeder dieser Experten hat in seiner Partie des Parks eine Probe seines Könnens abgegeben. Es entstanden Gehölzpflanzungen, Staudenrabatten und ein Rosengarten – 2000 moderne Sorten –, der mit den schönsten in Europa wetteifert. Doch das Schmankerl für Gartenkunstliebhaber sind die viktorianischen Teppichbeete, die wie Spitzendecken auf dem Rasen rund um den grandiosen Glaspalast liegen. Der schwedische Garten-Professor Rune Bengtsson hat dafür mit kriminalistischer Energie die Blüten- und Blattschmuckpflanzen ausfindig gemacht, die um das Jahr 1900 gebräuchlich waren. Studenten haben eine moderne Kaktusversion dazugestickt.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Robert Fischer