Stadtfarmer richten Ackerflächen in Kreuzberg ein Erstmal Aufräumen

Private Beete gibt es nicht, dafür Rabattpunkte für solidarisches Jäten und Hacken beim späteren Gemüsekauf. Im tiefsten Kreuzberg haben zwei botanische Laien, ein Historiker und ein Filmemacher, aus Pflanzsäcken und Bäckerkisten mobile Ackerflächen eingerichtet. Seit 2009 betreiben die Stadtfarmer nach Vorbildern in New York, London und Havanna ihren Prinzessinnengarten am Berliner Moritzplatz.

Mit dem Aufräumen der vermüllten Fläche hatte alles angefangen. Ein Kompostierbetrieb spendete die biologisch zertifizierte Erde, die, je nachdem was gepflanzt wird, bis zu vier Jahre verwendbar ist. Inzwischen wird selbst kompostiert. Märkische Bäcker schickten 340 Körbe für die Beete und mieten Patenschaften. Pflanzen aus allerlei Gärten wachsen jetzt am Moritzplatz. Sogar ein heimatloser Bienenschwarm fand hier ein Zuhause. Die Prinzessinnengärten sind eine gemeinnützige GmbH. Gewinn wird in den Unterhalt der Flächen gesteckt. Öffentliche Förderung gibt es nicht. Also sind Sponsoren willkommen und Freunde, die Beet-Patenschaften übernehmen. Alles, was angebaut wird, kann gekauft werden. Wer mitarbeitet, kriegt eine Art Sozialrabatt. Pflücksalat, Fenchel, Chili oder Mairüben werden aus der Küche heraus serviert oder zu Marmeladen, Kräuteressigen oder -ölen verarbeitet. Sogar Minibeete in Tetrapaks kann man kaufen. „Verschenkt wird hier nichts“, betont Robert. Sie wollen zeigen, wie soziale Projekte Geld bringen können.

Aus dem Küchenwagen dringt Geschirrgeklapper. Von den Tischen wehen deutsche, türkische, englische und russische Sprachfetzen. Wenn der Abend kommt und die Sonne hinter den Häuserblocks versinkt, ist der Duft der Pflanzen besonders stark. „Alles haben wir selbst gemacht“, freut sich Marco, „und viel dabei gelernt. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie getroffen hätten, und über unseren Stadtteil Kreuzberg fast alles erfahren. Dilettantismus ist wesentlich für das, was wir tun. Wir sind auf Anregungen angewiesen.“ Zurückkehren in ihre Berufe als Filmemacher und Historiker möchten Marco und Robert gerade nicht.

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Autor:
Inge Ahrens
Fotograf:
Jan Kopetzky