Stadtfarmer richten Ackerflächen in Kreuzberg ein Vorbilder des Prinzessinnengartens

Private Beete gibt es nicht, dafür Rabattpunkte für solidarisches Jäten und Hacken beim späteren Gemüsekauf. Im tiefsten Kreuzberg haben zwei botanische Laien, ein Historiker und ein Filmemacher, aus Pflanzsäcken und Bäckerkisten mobile Ackerflächen eingerichtet. Seit 2009 betreiben die Stadtfarmer nach Vorbildern in New York, London und Havanna ihren Prinzessinnengarten am Berliner Moritzplatz.
Vorbilder des Prinzessinnengartens

Kriegsgärtnerinnen

Zwei Kriegsgärtnerinnen: Rund 20 Millionen Bürger folgten in den USA dem Aufruf der Regierung, legten Victory Gardens an und erzeugten gut neun Millionen Tonnen Gemüse, Foto von 1918.

VICTORY GARDENS

In den USA, England und Kanada wurden während der Weltkriege Gemüse, Obst und Kräuter in öffentlichen Parks, in Hinterhöfen und auf Dächern angebaut. Das unterstützte die Wehrhaftigkeit und stärkte die Moral. Als Renaissance der Victory Gardens setzte 2009 Michelle Obama einen Nutzgarten auf den Rasen des Weißen Hauses. www.archive.org/details/victory_garden

GREEN THUMB

In New York entstanden 1978 erste Nutzbeete auf städtischen Brachen in Spanish Harlem, East Village und Lower East Side. Mit über 600 angeschlossenen Gärten für 20 000 Bürger ist Green Thumb heute das größte Community-Garden-Programm der USA. Siehe auch A&W 4/92. www.greenthumbnyc.org

AGRICULTURA URBANA

Aus Kuba kam der Anstoß für die Prinzessinnengärten in Berlin. Anfang der 90er-Jahre brach die von der Sowjetunion subventionierte industrielle Landwirtschaft zusammen. Als es in den Läden nichts mehr zu kaufen gab, entstanden in den Städten Gärten, die heute für eine Vielzahl der Kubaner frisches Gemüse bereitstellen. www.cityfarmer.org/cuba.html

GUERRILLA GARDENING

In London wurde die Bezeichnung prominent, als mit Spaten bewaffnete Globalisierungskritiker im Jahr 2000 Teile des Parliament Squares umgruben. Heute beschreibt Guerrilla Gardening eine weltweite Bewegung grün bewegter Menschen, die sich bei Nacht und Nebel aufmachen, um an Straßenrändern Gemüse und Blumen auszusäen oder durch Spontanpflanzung in den Gerümpelecken der Städte Gärten wachsen zu lassen. www.guerrillagardening.org

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Autor:
Inge Ahrens
Fotograf:
Jan Kopetzky