Landstriche um Florenz Villa La Petra und Castello di Celsa

Das besondere Licht hat sie gelockt. Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entdeckten Engländer und Amerikaner die Landstriche um Florenz. Sie kauften alte Villen, rekonstruierten, interpretierten und schufen Gärten neu. Wer sie besucht, lernt viel über Renaissance, Barock und andere Gartenstile.

 

Villa La Pietra, Florenz

Arthur Acton war einer der Engländer in der florentinischen Gemeinschaft. 1907 kaufte er sich die Villa, die am ersten Grenzstein außerhalb der damaligen Stadtgrenze lag: La Pietra, der Stein. Längst hat sich die Stadt ausgeweitet, doch immer noch führt hier eine lange, zypressengesäumte Allee durch Obstbaumwiesen und Weiden zum Haus. Sie sind Teil der klassischen Villa, die eine Einheit aus Haus, gestaltetem Garten und Landwirtschaft ist. Arthur Acton war Kunsthändler. Lady Acton stammte aus einer Bankiersfamilie aus Chicago. Das Ehepaar errichtete sich eine Welt aus Bausteinen der Vergangenheit. LadyActon las ein Buch pro Tag. Ihr Mann hortete Kunst, nicht das Teuerste, eher was die wirklich Reichen stehen ließen, und er konstruierte sich einen Garten in Renaissance-Manier, denn der, den es mal gab, war lange zerstört. Ein Stilgarten wie ein Stilmöbel, in dem die typischen Elemente vorhanden sind, doch überzeichnet. Zu viele grüne Kolonnaden, die Gartenkabinette umstellen, zu viele Blickachsen, die dann doch unvermittelt enden und ein Heer von Skulpturen. Es gibt die Pergola, die üppige Rosa banksiae und einen Küchengarten gleich hinter der Villa, bestückt mit allem, was ein Marktstand bietet. Die Renaissance aus zweiter Hand ist heute selbst Geschichte und wird – La Pietra gehört der Universität von New York – akribisch nach Fotos aus den 30er-Jahren restauriert. „Alles Steinerne sanft, die Pflanzen rabiat“, sagt Gärtner Nick Dakin- Elliot. Das ist der Trick, mit dem er die Aura des Alten erhält.

Als wollten wenigstens Blumen all das Geschichtseifrige Lügen strafen, leuchten vor der Villa signalrote Zinnien. Hat der Gärtner sie hereingeschummelt? – Oh nein. Nachdem er sie auf den alten Fotos gefunden hatte, suchte er sie. Ein Nachbar schenkte ihm einige Samen. Er hatte die Zinnien vor Jahrzehnten von den Actons erhalten: „Damit haben wir die DNA gesichert, die ihnen Freude machte.“

Castello di Celsa, bei Siena

Besucht man die Gärten der Toskana, so ist es bei jedem einzelnen, als gleite man in ein historisches Kostüm, von den Jahrhunderten mit Phantasie zusammengenäht. Bei manchen sind nur ein paar kostbare Stulpen geblieben, die auf einem simplen Kittel sitzen, andere haben Litzen, Ärmel, Kragen und eine Schürze, alle aus verschiedenen Zeiten.

So ist es beim Castello di Celsa, ein mittelalterliches Bollwerk, gute 14 Kilometer von Siena entfernt, gebaut gegen die Feinde aus dem Norden, die Spanier, Österreicher und Florentiner. Um 1550 zerstörten es die Truppen des habsburgischen Kaisers. Nur einer der mittelalterlichen Wehrtürme blieb unversehrt. Celsas Herren beauftragten einen Architekten von Ruf, Baldassarre Peruzzi (1481–1536), mit dem Wiederaufbau und mit der Gestaltung des Gartens. Von Peruzzis Arbeit überlebte nur die ovale Kapelle. Andere Gartenteile verschwanden unter barocken Parterres und einem an den Waldrand gebauten Nymphenbad. Aus dieser Zeit stammen ein Buchsparterre mit Zitruskollektion und eine Feston-artig geschnittene Eibenallee. Andere Generationen ergänzten einen Landschaftspark und führten, nach 1802, neben dem alten Wehrturm einen zweiten empor, mit Söller und Zinnen, märchenhafter als bei den schönsten Burgen des Gothic-Revivals in England. Vermutlich war es schon damals der Charme des Erste-Sahne-Bauplatzes mit grandioser Sicht in die Toskana-Landschaft, der zu der Phantasiearchitektur führte. Heute nutzt die englische Agentur „Love and Lord“ das Idyll als Ort, um Hochzeitsfeiern auszurichten. Die ehemalige Orangerie ist zum Gästehaus mit Swimmingpool ausgebaut. In den Wiesen wächst Thymian und beduftet Honeymooner bei jedem Schritt.

 

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Jonas Unger