Tierparks Artenreichtum im Berliner Zoo

Tiergärten rücken auf der Liste Reisender in den Rang von Museen. Der Grund: Prominente Architekten und Landschaftsgärtner bauen Parks, in denen Tiere in Harmonie mit der Natur leben. Der Zoo erfährt seine Renaissance als Paradies für die Spezies.

Zwinger (Dresden) und Menagerie (Wien Schönbrunn) als Teil barocker Gartenanlagen sind die ältesten Formen der Tiersammlung. Ihr Ziel: möglichst viele unterschiedliche Säugetiere, Vögel, Echsen zu zeigen. Ein Ziel, das man heute im Berliner Zoo vertritt, dem artenreichsten in Deutschland. Mit dem Fortschritt der Technik in den 50er-Jahren wurde Hygiene zu wichtig. Klinisch reine Kachel- und Betonzoos entstanden. Harald Deilmanns Allwetterzoo in Münster, ein genialer, forciert konstruktivistischer, noch heute in seiner Infrastruktur optimaler Tiergarten, entstand in diesem Kontext. Die brutalistische Schönheit ist jedoch nicht jedermanns Sache. Landschaftliche Parks mit großen, gern gemischt besetzten Gehegen passen besser zu den menschlichen Träumen vom Garten Eden. Eine fortgeschrittene Veterinärmedizin macht es in großem Umfang möglich.

Doch Entscheidendes hat sich geändert. Zoo, in frühen Zeiten das Privileg der Feudalen, im letzten Jahrhundert die „Kultur des kleinen Mannes“, wird plötzlich zum Reiseziel der universell Interessierten. Der Tiergarten in Helsinki, in Basel oder Barcelona ist Gesprächsthema wie die Visite der Kunststempel, der Designpaläste oder der Pilgerorte des Urban Gardening. Die Menschen treibt die Sehnsucht nach einer Natur, von der sie sich immer weiter entfernen. Martin Suter zum Beispiel, der Schweizer Bestsellerautor, geht, und erzählt das seinem Lesepublikum gern weiter, wenn ihn die Sehnsucht nach dem Regenwald überkommt, in die Masoala-Halle des Züricher Zoos, denn: „In ihm leben 17 000 Pflanzen und Bäume und über 400 Tiere. Es ist zwanzig bis 30 Grad warm und jeden Tag fallen 80 000 Liter herrlicher Tropenregen.“

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Kai-Uwe Gundlach