Lehrmeister der Moderne C. Th. Sørensen Der geometrische Garten

Starke Idee, eindeutige Form und wenige verschiedene Pflanzen – das ist die Formel, mit der C. Th. Sørensen zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Funktionalismus in der europäischen Gartenkunst begründete. Eine Reise auf den Spuren des Lehrmeisters der Moderne durch Dänemark.
Der geometrische Garten

Doch während Porcinai erst im faschistischen und dann im nachfaschistischen Italien luxuriöse Anlagen für schwerreiche Privatleute plante, entwarf C. Th. Sørensen Abenteuerspielplätze und Schrebergärten, Universitätsgelände, Reihenhaussiedlungen und neben großen Villengärten viele, viele kleine für jedermann.

Gärten nach Maß 2

Der geometrische Garten, Birk, 1945/1983 Sørensens Markenzeichen. Quelle der Formen war weniger die Geometrie als die Gartenkunstgeschichte. In ihrem Verlauf nahm die Reduktion zu, verschwanden Blumen aus Beeten, bis der Rahmen Inhalt war, meinte der Däne.

Etwas Unausgesprochenes verbindet seine Arbeiten. Sie liegen still im Land – wie anonym vor unbestimmter Zeit gebaut. Sie machen kein Drama, heften sich dafür als schnell aufgenommener Blick um so fester ins Gedächtnis. So wie das Mondtor am Strandvej, der Küstenstraße von Kopenhagen nach Helsingborg. Ein übermannshoher Kreis ist in eine Mauer zum Öresund hin eingefügt. Wasser und Himmel blitzen hindurch. Man sieht es und ist schon vorbeigefahren.

Das Zauberstück ist der Rest eines alten Villengartens. Es liegt schräg gegenüber vom Jægersborg Dyrepark, einem von Dänemarks Vorzeigeparks und dem gartenkünstlerischen Gegenteil zum Mondtor. Hier sanft modellierte Wiesen, knorrige alte Eichen und frei ziehende Hirschrudel – dort nur der Umriss, ein Kreis, der doch Meer und Wolken und Licht in sich hält. Das Mondtor ist eine in Japan gebräuchliche Gartenform.

Gärten nach Maß 3

Kleingartenanlage, Nærum, 1948–52. Das dänische Schreberjuwel. „Niemand soll eine Hecke teilen müssen“, schrieb C. Th. Sørensen. 44 Ovale begrenzen 200 bis 300 Quadratmeter große Parzellen. Gepflanzt sind die Hecken aus Liguster, Weißdorn, Hainbuche und Feldahorn.

Es rahmt, was die Japaner „geliehene Landschaft“ nennen. Für Sørensen war es zugleich die Konsequenz von dem, was er für sich aus den Gärten der Renaissance und des Barocks ableitete. In einem knappen Überblick der Gartenkunst, den er 1963 schrieb, skizziert er ihren Verlauf, zeichnet nach, wie die zu Beginn nur strukturschaffenden Hecken dominanter werden. Wie der Beetsaum aus Buchs zu aufwendigen Bordüren wird und wie im gleichen Maß Blumen  schwinden. Die Ordnung selbst, der Rahmen wird zum Thema, Motiv und Inhalt des Gartens. Und der soll den Menschen nicht mit endlosem Unkrauthacken versklaven, sondern ihm einen Raum für sein Leben geben, in dem er seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht: Hühner züchtet, Vogelgezwitscher zuhört, Erdbeeren sammelt, einen Baum liebt, spazieren geht oder einfach faul sein kann. Vor allen Dingen geht es Sørensen, „um Einfachheit, um Zurückhaltung“.

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Stephan Abry