Lehrmeister der Moderne C. Th. Sørensen Kongenshus Mindepark

Starke Idee, eindeutige Form und wenige verschiedene Pflanzen – das ist die Formel, mit der C. Th. Sørensen zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Funktionalismus in der europäischen Gartenkunst begründete. Eine Reise auf den Spuren des Lehrmeisters der Moderne durch Dänemark.
Kongenshus Mindepark

Einen seiner letzten Gärten hat C. Th. Sørensen für seine Tochter Sonja Poll entworfen. Er ist von einem hohen Heckenkreis umgeben, fast wirkt es, als sei sie darin eingeschlossen wie eine dieser Märchenfiguren des dänischen Dichters Hans Christian Andersen, die isoliert von der Welt ihr Schicksal leben. Der kleine Zinnsoldat, die Eiskönigin, die Meerjungfrau sind an ihren Platz gebannt. Sie wandern nicht durch das Land wie die Gestalten der Gebrüder Grimm, erproben nicht wie der gestiefelte Kater ihr Glück, erobern nicht wie das tapfere Schneiderlein die Welt. Andersens Helden sind fixiert, sie bleiben an ihrem Ort, so wie die Gärtnerin im hochumfriedeten Garten – dem Hortus conclusus. Steckt Melancholie wie bei Andersen in dieser Zurückgenommenheit? Sørensen kannte kein Über-die-Stränge-Schlagen, informiert der dänische Landschaftsarchitekt Sven-Ingvar Andersson, einer seiner großen Verehrer und Nachfolger auf seinem Lehrstuhl an der Königlichen Kunsthochschule in Kopenhagen. Nie habe er Partys gefeiert, nicht einmal ein Geburtstagsfest. Er habe es sich nicht gegönnt, weil er, der Bauernsohn, einen künstlerischen Beruf gewählt hatte und damit nichts produzierte, „was das nackte Leben verbesserte“.

Jahrelang plagte ihn das schlechte Gewissen, weil er nichts „Nützliches“ tat. Erst spät, „viel zu spät“, schreibt C. Th. Sørensen, habe er verstanden, dass das Gegenteil richtig sei, „dass Kunst das Essenzielle, das ewig anwährende Wichtige ist“. Da hat er dann einen Garten aus Goldregen geplant. Einen Garten zum Festefeiern. Über einem Raster aus sechseckigen Modulen ließ er Pergolagerüste errichten und pflanzte über 80 schlanke Laburnum. Als man den Goldregen-Garten einweihte, wurde C. Th. Sørensen 75 Jahre alt. Da endlich feierte er seinen Geburtstag mit einem Fest. Es war sein erstes.

 

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Stephan Abry