„I want the big Drama“ Garten von Helen Dillon - Irlands Pflanzenstar

Showeffekt, Farbe, Spannung: Helen Dillon, Irlands Pflanzenstar, predigt das Powergärtnern. Vorzeigeobjekt für das hortikulturelle Energiebündel ist ein perfekt durchorganisierter Garten in Dublins elegantem Vorort Ranelagh.
Garten von Helen Dillon

Der Eintritt kostet fünf Euro. Sieben, falls der Weg zum Garten in Dublins Sandford Road 45 durch das Haus führen soll. Zehn inklusive Tee und Keks im Salon. Helen Dillon führt ihr Hobby mit Geschäftssinn und bissigem Witz: „Zwischen den Pflanzen mag ich es eng. Darum dürfen hier keine fetten Leute rein, nur dünne. Keep tip-toing. Bleiben Sie also schön auf den Zehenspitzen.“ Sofort nimmt der Besucher Habtachtstellung an.

Hat er sieben Euro aus dem Portemonnaie gezählt, folgt er der Hausherrin in den Salon. An sonnig gelben Wänden hängen zierlich gepinselte Blumenbilder und schwarzgrundige Porträts. In der Mitte steht ein mit selbst geschriebenen Büchern beladener Tisch: „Helen Dillon on gardening“. Das Beste aus drei Jahren wöchentlicher Kolumne für die „Sunday Tribune“. Vorsichtig blickt der Gast auf. Riesige Fenster öffnen sich. Ein Stockwerk tiefer liegt der Garten, üppig und bunt wie das prächtigste Schaufenster von Londons Spielzeugparadies Hamleys. Helen Dillon nutzt den Logenblick für ihren Theatereffekt: „I want the big drama“.

Helen Dillon
Hellen Dillon im Garten

Pflanzen sind Helen Dillons Lebenselixier. Nur weil der Garten nicht groß genug ist, schreibt sie über ihn und hält Vorträge.

Seit über 30 Jahren lebt sie mit Ehemann Val und Mister Reginald, dem gartentauglichen Rauhaardackel, in dem 1830 gebauten Regency-Gebäude. Sie ist ein Profi. 1989 stellte sie die erste Liste sehenswerter Parks und Gärten in Irland zusammen. Sie tritt in Radio und Fernsehen auf und reist zu „talks“, Symposien, Workshops und Vorträgen rund um den Globus. Das Thema der britisch-irischen Garten-Viktoria, die ein hortikultureller Zwilling der amerikanischen Muster-Hausfrau Martha Stewart sein könnte: Gärtnern auf Dillons Art. Beispiel: „Mit Pflanzen ist es wie mit Babys, man muss lernen, keine Angst vor ihnen zu haben.“ Die Resultate, die sie damit erzielte, sind lehrbuchreif.

Ihr Vorgarten ist ein Schmuckkästchen. Die Kompostecke großküchenartig durchorganisiert. Die Terrasse gemütlich wie ein Wohnzimmer. Das Gewächshaus würde jeder am liebsten sofort mitnehmen. Und all das sind nur die gärtnerischen Appetithappen für Helen Dillons Virtuosenstück hinter dem Haus. Ein Garten, dessen Grundriss wie der einer Kathedrale aufgebaut ist: aus Hauptschiff, Nebenschiffen, Chor und Seitenkapellen. Im Hauptschiff liegt ein imposanter, von der spanischen Alhambra inspirierter Wasserkanal, die Nebenschiffe bestehen aus Kräuter-, Buchs- und anderen Pflanzkabinetten. In den Chor führt eine rosenbewachsene Pergola. „I love strong structures“, raspelt die Garten-Viktoria mit einer Stimme, die von 70 Zigaretten pro Tag rau gerieben wurde.

Jahrelang hat sie mit Antiquitäten gehandelt. Vielleicht kommt daher ihre Lust an dekorativen Stilexperimenten. Es gibt aus Buchs geschnittene Schalen – „die Kugeln wurden zu langweilig“ –, dick mit panaschiertem Efeu gepolsterte Kolonnaden und in einem der vielen Seitenkabinette ein großes quergestelltes Passepartout aus Beton, mit dem sie ein lebendes Pflanzenbild aus großblättriger Gunnera, Wasserdost und wilden Iris rahmt.

Am Gartenfieber infizierte sich die Tochter einer schottischen Adelsfamilie – einer ihrer Vorfahren wurde von Cromwells Leuten geköpft –, als sie achtjährig vor einem gigantischen Cardiocrinum stand, einer zwei Meter hohen Riesenlilie. Mit neun Jahren besaß sie eine ausufernde Sammlung von altmodischen gefüllten Primeln und noch vor dem Teenageralter wechselte sie zu Pelargonien. Sogar in der Schule päppelte sie eigene Pflanzen, eine täglich vorzunehmende Arbeit, „mit der ich mich vor dem Morgenspaziergang drückte, den ich hasste“.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Stephan Abry