Ein Garten voller Bäume Im Garten von Baumschulbesitzer Lutz von Falkenhayn

Geduld, Fleiß, Pragmatismus und Passion für die Pflanzen zählen für Lutz von Falkenhayn zu den ersten Gärtnertugenden. Sein Grundstück mit Garten, nördlich von Bremen, hat er vor 30 Jahren mit jungen Gehölzen gestaltet, weil sie ihn faszinieren – und pflegeleichter sind als Stauden. Daraus ist eine blühende Parklandschaft geworden.

“Ein Garten ohne Linien ist ein Durcheinander“, sagt Lutz von Falkenhayn. Er steht auf seiner Terrasse und schwenkt den Arm zu entfernten Zielen: da, die Zentralperspektive; dort, die Achsen, Flanken, Querriegel. Er schätzt klare Verhältnisse, im Garten wie in der Geschäftswelt. Anfang der 70er-Jahre hat sich der Baumschulbesitzer einen Bungalow bauen lassen, mitten hinein ins platte Ammerland. Zwei Hektar Weide, leer wie ein weißes Blatt Papier. Inzwischen leben auf der ehemaligen Wiese, zufrieden wie gut genährte Haustiere, Zuckerahorn, Nymphenbaum, Liriodendron, pontische Eiche – und 500 weitere unterschiedliche Gehölze. Der Rasen, auf dem sie stehen, sieht aus, als würde er jeden Morgen gekämmt. Keine Fluse, kein Gänseblümchen, reines, sattes Grün. „Berliner Tiergarten“, sagt Lutz von Falkenhayn „der ist am besten. Einmal im Jahr kalken, im Mai Volldünger geben und jeden zweiten Frühling Spurenelemente.“ Beete zipfeln in die grüne Fläche. Jedes endet mit einer Buchskugel. Fädelte man sie auf einen Faden, würden sie eine gerade Linie ergeben.

Von Falkenhayn in seinem Garten

Von Falkenhayn flaniert zwischen den Pyramideneichen.

Jenseits des Gartens ragen Linden- und Ahornwipfel auf, kerzengerade Solitäre, stramm in Reih und Glied: Lutz von Falkenhayns Gehölzquartiere, gepflanzt auf 80 Hektar Land, sein grünes Heer. Der 72 Jahre alte Baumschuler stammt aus einer Offiziersfamilie. Die gärtnerischen Gene erbte er von seiner Mutter. Ihr Vater, Wolfgang Singer, war Gartenbaudirektor in Bad Kissingen, der Großvater bayerisch-königlicher Oberhofgärtner in Brückenau. In diese Fußstapfen wollte Lutz von Falkenhayn steigen und Landschaftsarchitekt werden. Er lernte Zierpflanzengärtner und fing 1952 an, in einer Baumschule zu arbeiten, um sich Kenntnisse über Gehölze zu verschaffen. Dort blieb er, stieg zum Verkaufsleiter auf und machte sich 1977, fast 50 Jahre alt, selbstständig. Im Gepäck: mehr als 30 Jahre Erfahrung. „Bezahltes Geld“, nennt er das. Dazu die Maxime seines Vorbildes, des amerikanischen Automobilfabrikanten Henry Ford I.: „Mach keinen Handschlag ohne unmittelbaren Nutzen.“ Und den Rat, den Friedrich der Große seinen Generälen auf ihrem Weg in die Schlacht gab: „Meine Herren, haben Sie Fortune, sonst scheitern Sie!“

Lutz von Falkenhayn hatte Fortune. Seine Firma gehört zu den führenden Sortimentsbaumschulen in Deutschland, spezialisiert auf große Gehölze. Für Menschen, die Schutz vor den Blicken der Nachbarn suchen, gibt es bei ihm acht Meter hohe Thuja- und Hainbuchenhecken. Für Liebhaber von Nadelpflanzen 20 bis 30 Jahre alte Kiefern, Hemlocktannen und Eiben. Freunde japanischer Blütenfeste finden ausgewachsene Zierkirschen und Hartriegel. Kein Problem, sich in der von Falkenhayn’schen Baumschule einen Garten zusammenzukaufen, der aussieht wie ein Lebenswerk.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Stephan Göttlicher