Polens schönste Parks & Gärten Bäderpark Lazienki

Der Bäderpark Lazienki war das Hauptwerk von Stanislaw August Poniatowski, dem letzten polnischen König. Er war jahrelang der Geliebte der russischen Zarin Katharina der Großen – ein Intellektueller, kein Stratege.

Insel der Seligen
Schloss Lazienki

LAZIENKI, das Schloss auf dem Wasser, ein Treffpunkt und Zufluchtsort für Polens Schöngeister zu Zeiten der Aufklärung und Revolution.

Katharina hatte seine Wahl zum König diktiert. Sie setzte auf den treuen Vasallen. Aber Poniatowski war auch Idealist, er wollte Reformen, unterstützte die Gründung einer Zeitung, richtete ein Erziehungsministerium ein. Seine Ziele ähnelten denen des aufgeklärten Fürsten von Anhalt-Dessau, der in Wörlitz ein Gartenreich und in Dessau eine Pädagogische Anstalt zur Bildung des Volkes erfand.

Wie der deutsche Standeskollege baute sich Poniatowski ein klassizistisches Schloss als Symbol modernen Denkens und Zentrum einer idealen Welt aus Bäumen, Wiesen, spiegelnden Gewässern und Tempeln. Er setzte das Schloss auf eine künstliche Insel im Lazienki-See, fügte ein Theater unter freiem Himmel hinzu, zog Literaten, Künstler und Philosophen an. In Lazienki war die Welt, wie sie sein sollte: voller Kultur, empfindsamer Gedanken, freimaurerischer Pläne.

Doch Polen war nicht Anhalt-Dessau, war kein kleines und militärisch unbedeutendes Gartenland. Polen war, wenn auch schwach, das große Reich in Europas Mitte, das sich Russland, Österreich und Preußen zur Beute machen wollten. Außerhalb von Lazienki lauerte der Widerstand der mächtigen Adelsclans, denen die Russlandhörigkeit des Königs nicht gefiel. Außerhalb befand sich die Zarin, der die Reformen verdächtig jakobinisch vorkamen. Außerhalb wartete das Volk, das alles andere war als die freundlich bukolische Staffage, die Poussin, Watteau und Canaletto auf ihren Ideallandschaften dargestellt hatten.

In die Regierungszeit Poniatowskis fallen die drei polnischen Teilungen, 1772, 1793 und 1795. Nach der dritten wurde der König zum Abdanken gezwungen. Drei Jahre später starb er in St. Petersburg, und Zar Alexander I. kaufte sich Lazienki-Park. 1944 brandschatzte die deutsche Wehrmacht das Schloss. Polnische Handwerker bauten es wieder auf. Wie so vieles im Land ist Lazienki eine Kopie, ein Double – eine wunderbare historische Phantasie- Welt mit Schwanenbooten auf dem See, Konzerten im illuminierten Schloss, radschlagenden Pfauen und einer Sammlung Flieder.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Robert Fischer