Izidor Golob Treffpunkt Florenz

„Ich bin Blumennarr und glücklich!“, strahlt Izidor Golob verschmitzt. Er hat schon im Garten seiner Mutter sein Herz an die Iris verloren. Izidor ist internationaler Iris-Richter und ihr einziger Züchter in Slowenien. In seinen zwei Gärten in der Untersteiermark wachsen 450 Sorten Bart- und Steppeniris. Wenn der Mai kommt, steht alles in Blüte, und der Gärtner aus Leidenschaft hat alle Hände voll zu tun.

Endlich Gleichgesinnte! „Ich war selig.“ Italiener, Amerikaner, Engländer. Denn in der slowenischen Staatsgärtnerei wollte niemand etwas von Izidors Irisleidenschaft hören. Fortan traf man sich in Florenz und tauschte sich aus, oder Briefe gingen hin und her. „Während der Jugoslawien-Zeit war die Iris meine ganz große Herzensangelegenheit.“ 1991 zerfiel Jugoslawien, und Slowenien wurde selbstständig.

Heute ist Izidor im Rentenalter. Im Familienhaus mit Garten wohnen auch die Kinder. Die Irislust hat nicht nachgelassen. „Endlich habe ich Zeit für meine Schönen.“ Längst tauschen Züchter ihre Erfahrungen per E-Mail aus. Und im europäischen Raum wechseln Pflanzen und Samen mit der Post den Besitzer.

Heute gibt es mindestens 60 000 Irissorten weltweit. „Der Trend geht zum Üppigen“, sagt Izidor Golob. Dabei soll die Pflanze wetterfest sein, der Stängel muss die schwere Blüte tragen können, Knospen sollen reichlich sein. Er rät zu einer kleinen Duftreise im Bartirisfeld. Was für eine süße Narkose an diesem von Regenschauern durchweichten Frühlingstag, denken wir, während unsere Schuhe im Lehm versinken. Die Eisblaue riecht irgendwie schokoladig. Eine Dunkelblaue verströmt Anisduft. Die Gelbe hat tatsächlich ein etwas spitzes zitroniges Aroma.

Izidor Golob treibt keinen Handel mit seinen Pflanzen. Sie sind sein Hobby, seine Leidenschaft. Am meisten fasziniert ihn die Farbenvielfalt. Die genießt er am liebsten im Feld. Nur selten schneidet er einen Strauß, etwa wenn die Kirche seines Ortes mal eine besonders schöne Blumendekoration benötigt. Als Schnittblume hat die Iris nämlich ein kurzes Leben. Und: „Vorsicht! Nach einer Weile tränen die dunklen Blüten und machen gerne Flecken auf weiße Tischtücher.“ Der Volksweisheit, dass die Iris die Orchidee des armen Mannes sei, kann er nicht folgen: „Irisliebende sind reiche Menschen.“

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Autor:
Inge Ahrens
Fotograf:
Jonas Unger