Zarte Schönheiten in Quietschgelb Frühlings-Adonisröschen

An hellen Tagen im März öffnen Frühlings-Adonisröschen ihre bräunlichen Kugelknospen zu sonnengelben Blüten. Andreas Gaendt in Bornim bei Potsdam ist einer der wenigen Gärtner, der die eigenwilligen Pflanzen vermehrt.

Nach einem eisigen Winter ist der Bornimer Garten mit blühenden Krokussen übersät. Dann kommen die Adonisröschen. „Endlich! Auf sie warte ich schon seit Weihnachten“, sagt Andreas Gaedt. Adonis vernalis ist sein Augenstern und eine der ersten Stauden, die Blüten treiben. Im Ziergarten am Haus wächst sie zwischen Braunellen, die erst im Juni lila blühen, ihr Grün aber schon ausgetrieben haben. Im hinteren Gartenstück gedeihen auf 100 Quadratmetern Mutter- und Jungpflanzen des Frühlingsblühers. Vor einer Kulisse goldgelber Forsythien leuchten sie, zitronenhell dicht an dicht beieinanderstehend, wie große Rechtecke eines sonnigen Fleckenteppichs unter dem blassblauen Himmel.

Adonisröschen treiben erst nur nackte Stängel und zartviolette Knospen. „Wenn Sie sehen, wie der noch harte Boden aufbricht und sie sich durchschieben, das belebt“, schwärmt Andreas Gaedt. „Man ahnt ihre Schönheit erst.“ Eine Woche später sind sie erblüht. „Schauen Sie! Liegt nicht etwas Jugendliches in der einfachen Blüte?“ Sie misst fünf bis acht Zentimeter im Durchmesser. Wenn sie im April vergangen ist, bleibt bis in den August das schlitzblättrige Grün. Dann wird es braun. Im Wurzelbereich schlummern bereits die Knospen für das kommende Jahr.

Andreas Gaedt ist 78 Jahre alt und hat sich viel Jugendliches bewahrt. Der Sohn eines Landwirts und Gärtnermeisters wurde im mecklenburgischen Bützow bei Güstrow geboren. Das hört man. Er ging in Rostock in die Gärtnerlehre, blieb ein Jahr im elterlichen Betrieb, arbeitete in einer Baumschule bei Brandenburg und landete schließlich bei Karl Foerster im Dörfchen Bornim, das seit 1935 zu Potsdam gehört. „Mein Bruder war dort. Aber der hatte andere berufliche Pläne. Da rückte ich 1956 nach.“ Er blieb bei Foerster bis zu seiner Pensionierung. Da war er 61.

Seine Frau Alwine, heute mädchenhafte 79, hatte er bereits 1966 geheiratet. Sie zogen in das kleine Haus von Karl Foers ters Schwester, die in die Schweiz übergesiedelt war. Der dazugehörende Garten entwickelte sich in den folgenden 50 Jahren. An die 2000 Quadratmeter Zier-, Nutz- und Anzuchtgarten grenzen heute an die Bornimer Feldflur. Dorthin, geradewegs in die Anbauflächen der Gärtnerei Foerster-Stauden, breitet sich im Sommer der Garten der Familie Gaedt aus: Himbeeren, Sonnenhut, Stachelschweingras und Erdbeeren.

Auch bei Foerster hatte man sich seinerzeit am Adonisröschen versucht, war aber am kapriziösen Pflänzchen gescheitert. Der Samen keimt sehr schwer und ist zudem noch empfänglich für Pilzkrankheiten. Nur ausgiebiges Beobachten und die genaue Kenntnis der Wachstumsbedingungen und der sie umgebenden Pflanzen in der freien Natur helfen da weiter. Viel mehr gibt Andreas Gaedt nicht preis. „Das ist mein Geheimnis, solange ich lebe. Meine Pfründe!“

Als Rentner hatte er damit begonnen, die Pflanze genauer zu untersuchen. Adonisröschen lieben lehmigen, möglichst trockenen Boden. Bloß nicht zu viel gießen, denn was die Stauden brauchen, holen sich ihre langen Wurzeln aus der Tiefe. Ist der Boden zu feucht, droht Pilzbefall. Und da Andreas Gaedt seine Adonisröschen ausschließlich für den Handel zieht (zum Beispiel für die Gärtnerei Foerster-Stauden), pflanzt er seine Zöglinge bereits im Kindesalter in Töpfe. Drei bis fünf Jahre brauchen sie bis zum Erreichen der vollen Schönheit. Dann können sie bis zu 40 Blüten tragen. Kein Wunder, dass das so lange dauert, denn „das Adonisröschen ist eine Schlafmütze“, sagt Andreas Gaedt. „Schon am Nachmittag richtet sie ihren Kelch zur Nacht.“ Dann schieben sich die großen und kleinen Blütenblätter exakt ineinander. Der Kelch schließt sich.

Für Andreas Gaedt ist das Adonisröschen eine alte Liebe. Sie begann im März vor mehr als 50 Jahren mit einem Ausflug in die Nähe von Lebus an der Oder. Nicht weit von dort schmückten violette Kuhschellen und zitronengelbe Adonisröschen in großen Gruppen die Vordeichhänge. „Herrlich!“ Eine Pflanze allein kann nie dieselbe Wirkung haben wie ein ganzer Schwarm.

Im Bornimer Garten von Alwine und Andreas Gaedt blüht es von Februar bis in den November hinein. Und wenn der Garten dann ruht, schreibt der Gärtner an seinen Kindheitserinnerungen. Schon die Großmutter soll heimlich gedichtet haben. „Das mit dem Schreiben und mit der Natur, das sind die Gene“, spöttelt er. „Nur schwindende Gesundheit kann meiner Freude am Garten ein Ende setzen. Gerade habe ich mich neu verliebt: in Phlox.
 

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Inge Ahrens