Neu entdeckt Der Duft

Sie ist bunt, vulgär und reichlich überparfümiert: Das hat die Hyazinthe viele Freunde gekostet. Schuld an der überspannten Erscheinung waren Männer. Jetzt wird sie neu entdeckt.

 

Duft ist das große Kapital der Hyazinthe. Deshalb behalten sie ihre Freunde. Menschen, die Zwiebeln in Töpfe pflanzen, die Töpfe in Erdkisten versenken, die Kisten in den Keller schaffen und feucht halten. Zeigen sich nach Wochen grüne Nasen, werden die Töpfe herausgehoben, vom Kalten ins Helle gebracht und die Triebe mit Hütchen vor dem Licht geschützt, bis Knospen die Bedeckung emporheben. Das heißt: Wenn sie es tun. Wenn der Trieb nicht krepiert, wenn sich der Blütenstand nicht zur Ziehharmonika staucht. Kaufen geht schneller, ist sicherer, sauberer und billiger. Warum die Mühe?

Weil sich experimentieren lässt. Weil das Hantieren mit den Zwiebeln, das Vortreiben im Topf oder auf dem Hyazinthenglas an den Spaß im Physik- und Chemielabor erinnert: Kohle ins Wasser und der Schimmel ist gebannt. Etwas Hirschhornsalz und die Blüten werden farbiger. Den Wurzelboden der Zwiebel mit Hintersinn vermessen und gezielt aufs Glas gesetzt, dann hebeln sich die Wurzeln der Hyazinthe fest und sie kippt nicht. Nur der halbe Spaß beim Zwiebeltreiben gehört der Blüte, die andere Hälfte ist Tun, Beobachten und Zusehen, wie etwa die bleichen Wurzeln sich ins Wasser schlängeln. Die Zwiebeln der Hyazinthen sind wie russische Puppen angelegt. Fix und fertig befinden sich in ihrem Inneren nicht nur Stängel, Blätter und Blütentrauben mit allen Glöckchen für die kommende Saison, sondern kleiner das ganze Set noch einmal für das folgende Jahr. Kann es sein, dass das immer so weitergeht? Gepflegt werden Hyazinthenzwiebeln 18 Jahre alt.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Stephan Abry