Exotik vor der Haustür Rhododendron - Reisende im Garten

Rhododendron
Es gibt heute grün angehauchte Gärtner, die immer noch dünnlippig verkünden, der Rhododendron gehöre zu den nicht heimischen Pflanzen. Kein Nachweis der Deutschstämmigkeit, und raus! Das ist natürlich tümelndes Geschwätz. Wie immer begründet durch Nichtwissen! Rhododendren können natürlich als Reisende in unseren Gärten auftreten. Und wie viele unserer Pflanzenfreunde erzählen sie dann denen, die ihnen zuhören können, von fernen Kontinenten. Wahnsinnige Geschichten sind darunter, von Narren, die sie im vorletzten Jahrhundert an den steilen Hängen des Himalaja unter Lebensgefahr aufspürten und, verfolgt von den Eingeborenen, in die erste Welt entführten.

Aber wahr ist auch, von den über 900 verschiedenen Rhododendron-Arten, die wir Tibet zuordnen können oder auch Java, die aus Vietnam stammen oder von Sumatra, in Malaysia ursprünglich ansässig sind oder an den Hängen von Nepal, gibt es tatsächlich acht, die aus Europa kommen! Woher in Europa? Preisfrage, welche Antwort ist richtig: A. aus Norwegen, B. aus Portugal, C. aus dem Kaukasus, D. aus den Alpen? Wer dazu einen Telefon-Joker möchte, sollte ihn in jedem Falle zu einem Anruf bei der Baumschule Hobbie in Westerstede benutzen, wo das Wesen der Rhododendren wie kaum irgendwo sonst in Deutschland erforscht ist.

Gestalt: kann riesig sein, bis zu 15 Metern in den Himmel wachsen. Oder: gerade mal handhoch sein, Rasen bildend. Hängt in Malaysia wie eine zarte Orchidee von Baumstämmen herab oder bedeckt in China ganze Hügelzüge wie wuchernde Wälder. Es gibt wenige Pflanzen, die wie Rhododendren unsere Gärten mit der tropischer Üppigkeit überziehen, mit faustgroßen Blütenbällen, die aus zartesten Trichtern zusammengesetzt sind, oder zu flachen Kissen, die jedenfalls so dicht an dicht an die Spitzen jedes Triebes gesetzt sind, dass vom Rhododendron fast nichts mehr zu bemerken ist und wir für wenige Wochen ganz vergessen, dass da noch was drunter ist. Dann, wenn die Blüte vorbei ist, haben wir fast ein Jahr lang Zeit, uns auf das zu besinnen, was bleibt. Das sind: die Gestalt des Rhododendron – die Briten würden sagen, die Architektur der Pflanze – und natürlich die Blattform!

Die ist rund oder kräftig oval. Sie kann winzig sein, gefächert wie Eucalyptuslaub oder auch ein Lappen von einem Meter Durchmesser. Die Unterseite kommt mal silbrig daher oder wie Filz, die Oberseite glänzend, sogar in Metallicblau und wechselt vielleicht im Herbst die Farbe, zu einem rostigen Abschiedsgruß. Dann ist es übrigens gut, wenn der Rhododendron Freunde an der Seite hat, und nicht nur dann, sondern zu jeder Jahreszeit. Gute Freunde sind der Cornus, mit seinen verschwenderischen weißen Blüten, oder Preiselbeerbüsche für die Kinder! Als Schattenspender nehme man einen Tiefwurzler, damit im Hochsommer nicht so viel gegossen werden muss, eine Esche zum Beispiel. Bleibt zu beachten, dass die Erde feucht, nicht zu nass ist, Dickmaulrüssler abgesammelt werden, die so gerne seitlich Löcher in die Blätter stanzen und ihre Maden an die Wurzeln platzieren, der Rückschnitt im April durchgeführt, geperlter Kalkstickstoff im Februar oder März, aber kein Stickstoff mehr ab Juni gegeben wird – sagen wir: die üblichen Schuftereien, die viele Gärtner ja noch mehr lieben als das Staunen.

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Autor:
Susanne Mayer
Fotograf:
Angela Franke