Das blaue Wunder Der Feldrittersporn

Seit der Romantik zieht Rittersporn mit seinem Blau Dichter, Züchter und Gärtner in seinen Bann. Jetzt erforscht der Münchner Fotograf Clemens Zahn das Geheimnis der unübertroffenen Farbe. In seinem Garten hat er eine Sortensammlung angelegt.

Delphinium ajacis, der Feldrittersporn, ist nur einjährig. In den „Metamorphosen“ des Ovid kann man lesen, woher diese Blume kommt. Sie sei, hyazinthenblau, aus dem Blut des Ajax gewachsen. Eine Pflanze mit langen Wurzeln und von Hummeln umschwirrt. Heute ist Ajacis von den Feldern verschwunden. Chemie hat sie vertrieben. Auf einen Verwandten, den winterharten Bergrittersporn, Delphinium elatum, gehen die meisten Staudenzüchtungen zurück.

Der Staudenzüchter Karl Foerster (1874–1970) hat dieser Pflanze sein Forscherleben gewidmet. In seinem Garten in Bornim dicht bei Potsdam begann die wirklich große Zeit der blauen Blume. 150 neue Sorten hat Foerster zum Blühen gebracht: ‘Gletscherwasser’, ‘Kirchen - fenster’, ‘Schiffsjunge’, ‘Sturmpfeiler’, ‘Mondsee’ und ‘Nostradamus’. Die Namen, mit denen er sie aus der Taufe hob, erzählen von seinen züchterischen Eingebungen und Zielen. Er suchte nach einem Blau, das Enzian und Kornblume überstrahlt, suchte nach Formen, die standsicher sind, außerdem windfest, mehltaufrei und stielfüllig. Er verglich seine Züchtungen mit Orgelpfeifen und gotischen Türmen, denn der Rittersporn im Garten sei wie die Kirche im Dorf.

Karl Foerster teilte die Sorten ein. In frühe und späte, in solche, die einen guten Nachflor haben und solche, bei denen die unteren Blüten nicht vorzeitig verwelken. Er hielt im Radio schwärmerische und zugleich praktische Vorträge über seine Züchtungen: Der Ritter - sporn sei eine Lichtstaude, ein Zauberer in den Gärten, er brauche Kuhoder sogar Pferdemist zum Gedeihen. Er empfahl die robusten Sorten. 1929 gab er ein Heft mit Gedanken und Ratschlägen zum neuen Rittersporn heraus, Untertitel: die Geschichte einer Leidenschaft.

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Autor:
Helga Schütz
Fotograf:
Clemens Zahn