Das blaue Wunder Ein Sortenschatz

Seit der Romantik zieht Rittersporn mit seinem Blau Dichter, Züchter und Gärtner in seinen Bann. Jetzt erforscht der Münchner Fotograf Clemens Zahn das Geheimnis der unübertroffenen Farbe. In seinem Garten hat er eine Sortensammlung angelegt.

Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen. Nachfolgende Gärtner haben den Sortenschatz übernommen. In jedem Frühjahr strömen Staudenkäufer, nicht zuletzt Ritterspornliebhaber, nach Bornim. Der Parkplatz neben dem denkmalgeschützten Senkgarten und der Staudengärtnerei ist dicht besetzt. Mit Karren und Körben geht der Pilgerzug an den Stellagen entlang. Azurblau, stahlblau, himmelblau, opalblau abwägend. Blau ist nicht immer blau. Es wechselt in der Sonne und unter Wolkenhimmeln seine Farbtemperatur. Blau wird violett. Und: Wie wäre es mit einem weißen, spät blühenden chinesischen Zwerg für den Steingarten? Der Verkauf ist längst auf Selbstbedienung umgestellt worden. Möglich, dass die Pflanzen in den Kisten durcheinandergeraten, da kann es geschehen, dass der weiße Zwerg im Steingarten zum dunkelblauen Riesen gedeiht.

Der Bergrittersporn ist eine sesshafte Pflanze, er brauchte Jahrhunderte, um etwa über die Berge von Graubünden bis in den Kanton Glarus zu wandern. Und er ist giftig, kein Futter für Tiere, die sonst das Fortkommen befördern. Der Samen ist kein Spielzeug für den Wind. Lange, sehr lange blieb der Rittersporn, wo er wächst. Erst die Staudenliebhaber unter den Gärtnern haben den Kulturrittersporn zu einem fernreiselustigen mobilen Geschöpf gemacht.

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Autor:
Helga Schütz
Fotograf:
Clemens Zahn