Das blaue Wunder Der Fotograf

Seit der Romantik zieht Rittersporn mit seinem Blau Dichter, Züchter und Gärtner in seinen Bann. Jetzt erforscht der Münchner Fotograf Clemens Zahn das Geheimnis der unübertroffenen Farbe. In seinem Garten hat er eine Sortensammlung angelegt.

Der Fotograf Clemens Zahn ist einer von ihnen. Während seiner Berliner Zeit war er oft in Bornim, im Foerster-Garten zum Ritterspornfotografieren, später in Wien kultivierte er auf der Terrasse sein erstes eigenes Blau. Hier sah er Rittersporn zu jeder Tageszeit, in jedem Wetter. Seine Leidenschaft wuchs und damit verbunden die Neugier. Jetzt lebt Clemens Zahn in der Oberpfalz, dort hat er Rittersporn in einen großen, wilden Garten gepflanzt. Freie Zeit ist nun hauptsächlich Ritterspornzeit, mit dem Spaten oder mit Sortenlisten. Neue Beete werden hergerichtet, neue Pflanzen eingekauft. Der Plan, das Blau vom wuchernden Grün des Gartens einrahmen zu lassen, geht auf. Allerdings präsentieren sich einzelne der Schönheiten wahrscheinlich unter falschem Namen. Vor allem die Blautöne sind bei der Sortenzuordnung ins Schwimmen geraten. Für einen, der auf Farbfeinheiten achtet, ist das ein Signal.

Neuerdings experimentiert Clemens Zahn mit dem Farbkasten, genau: mit der Blaupalette. Stimmen die alten Foerster’schen Farbtafeln, die alten Fotos, mit der Blütenfarbe und dem Farbton auf dem Papier überein, dann trägt die Züchtung den ihr zugeschriebenen Sortennamen zu Recht. Es sind Versuche, das alte von Züchtern geschaffene Blauspiel auf Büttenpapier festzuschreiben: Berghimmelblau, Tropennachtblau, die alte Sortenordnung.

Die Suche nach der blauen Blume in den Tiefen der Zeit erweist sich derweil als schwierig. Im sorgfältig begrünten Garten des Dichters Novalis, im Museum seines Wohnhauses in Weißenfels, dicht bei Halle, findet man keine Zeugnisse dafür, was hier früher wuchs. Nur versteckt in hohen Gebirgen kann man ihr auch heute begegnen. Etwa in Tibet, in einem grasbedeckten Wacholderhain, im Umkreis des Klosters Reting, 150 Kilometer nördlich von Lhasa. Dort blüht ein hoher Rittersporn, tiefblau wie die Sorte ‘Kirchenfenster’ – als hätte der große Landschaftsgestalter für das Hochland von Tibet eine besonders schöne Foerster-Züchtung ausgesucht.

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Schlagworte:
Autor:
Helga Schütz
Fotograf:
Clemens Zahn