Gewächse Zimmerpflanzen der 70er

Zimmerpflanzen sind gut zu uns: Sie ertragen Schatten, filtern die Luft, erheitern das Gemüt. Sie können wie ein Papagei an die Erben übergehen und werden dann wirklich imposant. Lange verpönt, erobern Gewächse das Haus – Nachzügler einer grünen Welle, die Stadtbrachen und Fassaden besetzt.

 

Zimmerlinde und Papyrus, zwischen Kreppblüten das typische Zimmergrün der 70er: verschollen. Yucca, Ficus und Pfennigbaum, Hart- und Dickblättriges aus den 80ern, zwar noch vorhanden, aber: verpönt. Einer investigativen Leistung gleicht, Pflanzen zu finden, die eine noch ältere Geschichte haben. Aspidistra zum Beispiel, die einmal mit ihren eimerdicken Bündeln an harten widerstandsfähigen Blättern noch lange die Treppenhäuser gründerzeitlicher Mietshäuser besiedelten. George Orwell machte sie in seinem Roman „Flying Aspidistra“ („Die Wonnen der Aspidistra“) zum Symbol für die Kehrtwende im Leben seines Helden. Erst als der erfolglose Schriftsteller aufgibt, sich gegen die Verbürgerlichung zu stemmen, sich zu Frau, Kind, Bezahlarbeit bekennt und für die Wohnung eine Aspidistra erwirbt, bringt er sein Leben ins Gleichgewicht.

George Orwells Roman stammt aus dem Jahr 1936. Sein Held schafft es nicht, der Verbürgerlichung zu entkommen. Deren Schrecken scheinen sich heute abgeschliffen zu haben. Alltagsphilosophen deuten Schlüsselworte wie Familie, Häuslichkeit und Sesshaftigkeit um. Und hast du’s nicht gesehen, werden Zimmerpflanzen zu lebenden Maskottchen gegen Entwurzelung in einer gefühlskalten Welt. Das geschieht nicht etwa im Verborgenen: Platz eins und zwei auf der neuen Popularitätsskala besetzen Monstera und Geweihfarn – platzgreifender kann es kaum sein.

Wussten Sie, dass diese Zimmerpflanzen die Raumluft säubern? >>

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Giovanni Castell