Gewächse Journal für Pflanzenabenteuer

Zimmerpflanzen sind gut zu uns: Sie ertragen Schatten, filtern die Luft, erheitern das Gemüt. Sie können wie ein Papagei an die Erben übergehen und werden dann wirklich imposant. Lange verpönt, erobern Gewächse das Haus – Nachzügler einer grünen Welle, die Stadtbrachen und Fassaden besetzt.

Seit dem Sommer 2011 erscheint das in Spanien herausgegebene Journal „Plant“, ein schräges Freakmagazin, in dem Fotografen, Gelehrte und Grafikstudenten Pflanzenabenteuer austauschen. Neben surrealen Bilderstrecken und satten Naturaufnahmen werden Stecklinge gemacht, Glashäfen bepflanzt und Pflanzenhänger in Makramee-Technik geflochten. Überraschend schnell kehrt das, was in London vor dem Parlament als Guerilla-Gardening anfing, ins Haus zurück.

Wässern (sparsam), stutzen, düngen, topfen, arrangieren: Die Gewächse brauchen Zuwendung. Sie revanchieren sich mit Dankbarkeit. Der Stressfaktor sinkt, Entspannung tritt ein. Für Anfänger gibt es Kandidaten, die geduldig sind. Begonien etwa, die auch in schattigen Zimmerecken – im Regenwald haben sie auch nicht viel mehr Licht – die wunderbarsten gemusterten Blätter ausbilden. Allerdings sind interessante Sorten in Deutschland nur auf Geheimpfaden, mit Trick und Beziehung, bei Gartenfreunden oder in botanischen Gärten zu bekommen.

Dann Usambaraveilchen. Zehn Jahre lang kann es, ohne umgetopft zu werden, gemütlich wie eine Katze, in seinem Gefäß auf der Ecke eines Tisches sitzen. Nicht allzu weit vom Fenster, doch immerhin abgerückt, sodass die aufsteigende Luft der Heizkörper – häufige Todesursache für alle Zimmerpflanzen – ihm nichts anhaben kann. Es blüht, macht neue Blätter, ist einfach da. Wer zum Sammeln neigt: Usambaraveilchen gibt es in Hunderten von Sorten, mit gerüschten, weiß marmorierten, herzförmigen, Granny-Smith-farben-hellen oder Malachit-dunklen Blättern, mit gepunkteten, gestreiften, gefüllten Blüten. In Russland, den USA, Finnland und in Otter bei Tostedt leben die Fans. Man kann Kontakt zu ihnen aufnehmen.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Giovanni Castell