Vorzeige-Objekt

Wenn Silke Knodel und ihre Studio-Partnerin Astrid Kölsche mit ihrem Kölner Büro a.s.h. ein Projekt planen, setzen sie auf Individualität, Qualität, Exklusivität. Oberste Prämisse: Das Interieur muss den Bauherrn interpretieren. Wie praktisch, wenn eine von beiden selbst die Auftraggeberin ist.

Also – die trauen sich was! Nehmen wir nur mal die Tür zum Schlafraum: In den schwarzen Rahmen und das dazugehörige Türblatt wurden 7000 großkopfige Ziernägel geschlagen. Werfen wir einen Blick ins Schlafgemach selbst: Über dem Kopfteil des Bettes hängt nicht wie üblich ein Bild, sondern es sind dort auf etwa zwei mal ein Meter fünfzig kinetische Prismen installiert, die sich wahlweise zu einem historischen Architekturmotiv, einem Spiegel oder einer knallroten Fläche zurechtdrehen lassen. Hat auch nicht jeder. 

Oder betrachten wir die Bar: Die Theke, bezogen mit weichem schwarzen Leder, wird getragen von einem goldfarbenen Sockel, davor lümmeln drei Barhocker mit rosarot gemustertem Stoff. Darüber ein – gleichfalls goldener – Baldachin, aus dem schwarze Leuchten herunterhängen, die wie illuminierte Krähen über den Köpfen schweben. Nach einigen Proben des reichhaltigen Barangebots könnte man auch sagen: schwirren.

"DAS HAUS IST SO ETWAS WIE DIE GEBAUTE VISITENKARTE UNSERES BÜROS"
Astrid Kölsche

Silke Knodel und Büro-Partnerin Astrid Kölsche (das A im Studio-Namen a.s.h.) haben am Rande von Köln aus dem Vollen geschöpft. Besser gesagt: ihrer Kreativität und ihrer Gestaltungslust ganz schön freien Lauf gelassen. Zwei äußerst günstige Umstände haben das ermöglicht oder zumindest erleichtert: Silke Knodel und ihr Mann Reinhold, Inhaber eines florierenden Immobilienunternehmens, sind die Bauherren. Und die Villa sollte so etwas wie eine leibhaftige Visitenkarte für das Interieur-Büro der beiden kreativen Damen sein.

Das Büro a.s.h. – das S im Studionamen stammt naheliegenderweise vom Initial der Hausbewohnerin, das H ist vor geraumer Zeit ausgestiegen – wurde 2006 gegründet. „Bei den Projekten, die wir gemeinsam für unseren damaligen Arbeitgeber realisiert haben, dachten wir uns, das könnten wir auch auf eigene Rechnung tun“, erzählt Astrid Kölsche. Jede brachte einen Bauherren mit in die Studio-Partnerschaft. „Zu Beginn haben wir uns schicke Büros gemietet für Besprechungen mit den Auftraggebern“, erinnert sich Silke Knodel. „Die Kunden sollten denken, sie werden von einem Büro mit vielen Angestellten betreut.“ Dachten sie auch. Heute sind es tatsächlich viele. 16 feste Mitarbeiter arbeiten an 20 bis 25 Projekten, die parallel laufen. Sie reichen bis nach Mykonos und Kapstadt.

Die gebaute Visitenkarte des Büros ist schon von der Straße eindrucksvoll, weil einzigartig. Dem sehr großen, sehr gradlinigen, sehr weißen Baukörper wurden diagonal versetzt runde Ecken vorgebaut, die als Balkone dienen, vor allem aber die architektonische Strenge auflockern und – noch wichtiger – das Gebäude unverwechselbar machen.

Die drei Meter hohe Eingangstür wird mit einem Zugseil geöffnet – wie bei einer Burg. Und wie ein unüberwindlicher Burggraben will Haushälterin Kati, seit 14 Jahren guter und manchmal nicht ganz so gut gelaunter Geist des Hauses, verhindern, dass irgendjemand es wagt, mit Schuhen das Innere und damit die frisch polierten Fliesen aus Travertino Osso, einem knochenfarbenen Stein, zu betreten. Es erfordert ein paar Überredungskünste und als Ablenkungsmanöver eingesetzte Bitten nach einer Tasse Kaffee, um dieses Hindernis zu überwinden.

Ist das gelungen, befindet sich der Ankömmling sogleich vor dem Herzstück des Anwesens, einer so dermaßen zentral und prominent platzierten Wendeltreppe, dass sie den Besucher förmlich nötigt, sich ohne Umschweife in höhere Gefilde zu begeben. Die Treppe ist oval, was für die Stufen bedeutet, dass es keine zwei gleich geformten gibt. Auf derlei Unikaten führt der Weg nach oben.

"DIE TREPPE IST NICHT RUND, SONDERN OVAL. JEDE STUFE HAT IHRE EIGENE FORM"
Silke Knodel

Hinter der Treppe und gewissermaßen in der Tiefe des Raumes verschwindet fast der schwarze Flügel, der im Hause Knodel generationsübergreifend intensiv im Einsatz ist. Wohn- und Essbereich befinden sich ein paar Stufen niedriger als Bar und Musizierecke, womit der Höhenunterschied zwischen Straßenlevel und Garten im Vorübergehen ausgeglichen wird. Optisch getrennt werden sie schlicht durch eine weiße Wand mit integriertem Kamin an der Stirnseite, der in beide Räume knisternde Wärme verströmt.

Für die Küche hat sich das Studio a.s.h. noch einmal eine Herausforderung für den Betrachter ausgedacht. Die Wand neben den Küchenschränken ist vollumfänglich verkleidet mit einem Stein namens Patagonia, einem in Brasilien beheimateten sogenannten Quarzit, dessen Musterung es locker mit jedem expressiven abstrakten Kunstwerk aufnehmen kann. Schwerer haben es da schon die auf dem daran angebrachten Wandregal platzierten Keramiken mit asiatischen Motiven und Flaschen und Büchsen mit besonderem Tomaten-Sugo, Salz etc. Die können sich erst beim genaueren zweiten Blick bemerkbar machen.

Das Schlafzimmer im ersten Stockwerk ist verbunden mit einem begehbaren Kleiderschrank, der gerecht zwischen den Ehepartnern aufgeteilt ist. Das legt den begründeten Verdacht nahe, dass die Dame des Hauses auf einen nicht unerheblichen Reserveschrank Zugriff hat (was sie zugibt). Komplettiert wird das Ensemble von einem ebenso geräumigen Bad. Zusammen macht es den größten Teil der oberen Etage aus.

AW Architektur & Wohnen, Ausgabe 03/20

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Und schon geht es wieder treppab bis ganz nach unten. Höhepunkt des Kellers, auch wenn diese Formulierung ein wenig seltsam klingt, ist die Räumlichkeit zur Lagerung anregender Tropfen. Denen wurde eine Grotte mit gemauertem Rundgewölbe gegönnt. Hier können sie stilvoll auf ihren Einsatz bei der nächsten rauschenden Hausparty warten. Lange werden sie sich nicht gedulden müssen.

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