Raumkonzepte Ein grünes Wohnzimmer

Zentral zu wohnen ist Luxus in New York – eine Terrasse auch. Der Architekt David Mann hat beides gefunden. Er trotzte seinem kleinen Apartment großzügigen Charme ab – und hat im Sommer mit Freiluftzimmer gut 100 m².

Grundriss  1 Eingang

 

Grundriss

1 Eingang
2 Wandschrank
3 Wohn- und Schlafzimmer
4 Küche
5 Bad
6 Terrasse

Die Idee

Lieber schön als funktional

„Ästhetik ist mir wesentlich wichtiger als Funktionalität“, so Mann. Das erklärt auch die Disziplin, mit der er mit so spärlichem Mobiliar auf engstem Raum lebt. Es gibt keinen richtigen Tisch. Dafür fünf alte Stühle, auf denen aber so gut wie nie jemand sitzt. „Keiner ist wirklich bequem, aber sie sehen toll aus“, sagt Mann. Für ihn sind sie Sammlerstücke, mehr Skulptur als Möbel. Auf Heizkörper im Wohnraum verzichtet er komplett. Einerseits um Platz zu schaffen, aber vor allem der Optik wegen. Dafür nimmt er im Winter auch die Kälte in Kauf, gegen die die kleinen Heizungen in Küche und Bad kaum ankommen.

Das frei stehende Bett hat er unter einem Überwurf aus dunklem Lammfell versteckt. Es fällt kaum auf. „Mich aufs Wesentliche zu reduzieren ist mir noch nie schwergefallen“, sagt Mann, der auch mit sechs Prada-Anzügen durch den Geschäftsalltag kommt. Seine einzige Schwäche: Kunst. Gemälde und Zeichnungen von Benjamin Cottam und Roy Lichtenstein, Drucke von Ed Ruscha, gerahmte Fotografien und Skulpturen – „für Möbel ist hier kein Platz mehr, aber für ein Kunstwerk findet sich immer ein Eckchen. Dieser Luxus ist der bewusste Kontrast zum asketischen Interieur“.

Bett mitten im Raum

Das Bett steht mitten im Raum und fällt doch kaum auf: Es verschwindet unter einer dunklen Felldecke des Modedesigners J. Mendel. Auf alten Stahlschränken stapeln sich Fotobände – und ein Objekt der New Yorker Keramikerin Pamela Sunday (s. A&W 5/08).

David Mann

David Mann zwischen drinnen und draußen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Joker

Ein grünes Wohnzimmer

Im Sommer vergrößert sich die Wohnung dank einer 60 Quadratmeter großen Terrasse an der Nord- und West-Seite des Apartments um mehr als das Doppelte. „Sobald es warm wird, sind alle meine Fenster rund um die Uhr geöffnet, und ich halte mich fast nur draußen auf“, sagt Mann. In New York sind das fast acht Monate des Jahres. Dann wird aus dem spartanischen Studio plötzlich der ideale Ort für Cocktail- und Dinner-Partys mit Freunden. Mehr als 100 Pflanzen wuchern hier, ganz im Gegensatz zur nüchternen Einrichtung. „Im Sommer verbringe ich jeden Morgen mindestens eine halbe Stunde mit Gießen, das ist meine tägliche Meditation“, so Mann. Jahrelang hat er experimentiert, bis er die richtige Kombination von wind- und sonnenresistenten Pflanzen gefunden hat: Rosenbüsche, Kirschbäume, Wacholder, Azaleen und Hortensien. Trotzdem wird es langsam eng. Vor Kurzem ist David Manns Partner nebst Golden Retriever eingezogen. Jetzt ist die große Hoffnung des Paars, dass bald die Nachbarwohnung zum Verkauf steht.

 

Seite 2 : Ein grünes Wohnzimmer
Autor:
Nadine Sieger
Fotograf:
Joshua McHugh