Raumkonzepte Statik und tragende Wände

Offen, hell und großzügig wünschte sich ein Werbeprofi seine verwinkelte Wohnung in Paris. Ein System aus skulpturalen Wandschränken schafft Weitläufigkeit – und viel Platz für seine riesige Comic-Sammlung.

Grundriss

Grundriss

1 Eingang
2 Arbeitsplatz
3 Wohnbereich
4 „Totem“
5 Essecke
6 Küche
7 Bad
8 Schlafzimmer

Das Problem

Die Statik

Doch ausgerechnet eine Wand im Zentrum der Wohnung vereitelte diese Absicht. Sie trennt den heutigen Wohnbereich von Küche und Schlafzimmer – und birgt nicht nur den Kamin, sondern trägt auch das Gewicht der vier Stockwerke darüber. „Wir konnten sie also nicht komplett entfernen“, sagt Antoine Santiard. Er machte aus der Not eine Tugend – und aus der Wand das „Totem“, wie er es nennt. Er verkleidete sie wie die Wände am Rand, betonte so ihre monolithische, skulpturale Wirkung und machte sie zum Leitmotiv für die gesamte Gestaltung des Apartments: ein begehbares Comic zum Wohnen.

Die Lösung

Wände wie Guckkästen

Das „Totem“ beherbergt den Großteil der Comics. Wobei der Architekt den Hausherrn überreden konnte, zumindest seine Heftchen aus dem amerikanischen Marvel-Verlag (u. a. „Spider-Man“, „Iron Man“, „Hulk“) im Keller zu lagern. Von allen anderen Comics nahm er Maß und rechnete aus, wie viel Platz diese brauchen würden. Jetzt stehen sie in verschieden großen Boxen, die in die Verkleidung der Wände eingelassen sind und wie Guckkästen wirken – oder wie die Rahmen einer Bildergeschichte. Diese Nischen folgen den weichen Formen der Einbauten wie einem Erzählfluss. Farben wiederum stellen Bezüge her zwischen den Wohnbereichen, definieren Funktionen, betonen Kontraste: schwarze Nischen für die Comics, grüne in der Küche, rote in den Schränken; das Weiß der Wände verstärkt durch den dunkel gebeizten Boden. „Das Apartment wirkt wie eine Einheit“, sagt Antoine Santiard. „Man kann kaum etwas getrennt betrachten. Alles ist mit allem verbunden.“ Und Mathieu Vinciguerra ist stets aufs Neue überrascht, „wie sehr die Räume leuchten“.

Seite 2 : Statik und tragende Wände
Autor:
Volker Corsten
Fotograf:
Céline Clanet/Living Inside