Schatz am Häusermeer Raumstruktur und Farben

Durchgang im Neubau in Paris

Ein sechs Meter langer Steg führt vom Durchgang im Altbestand zu dem Hauseingang auf der Nordseite, die ganz in Gold gehalten ist.

Die Raumstruktur

Das Atelier als Transitzone

So klar getrennt die Bereiche auf und unter der Brücke von außen sind, so subtil sind sie innen miteinander verzahnt. Dem Atelier von Virginie Artaud, die selbst Architektin, inzwischen jedoch vor allem bildende Künstlerin ist, kommt in der Raumstruktur die Schlüsselfunktion zu. Es dient durch seine Lage, seine unterschiedlichen Deckenhöhen und seine Lichtführung als „Transitzone“ zwischen dem Privatbereich mit den Schlafzimmern und dem offenen Wohnbereich. Das Atelier liegt zum Garten, neben dem Elternschlafzimmer, es erstreckt sich aber bis an die Ostseite des Hauses, an der auf ganzer Länge ein markantes Schrägdach aus Glas zusätzlich Tageslicht hereinlässt. Unter diesem Oberlicht hat der Raum die doppelte Deckenhöhe und schließt so an das offene Treppenhaus an, das hinter ihm liegt, sich über drei Etagen erstreckt und im Erdgeschoss noch Platz für die Sitzecke bietet. Durch das Schrägdach wird es von oben beleuchtet. Zu diesem „Lichtschacht“ öffnet sich das Atelier mit einer verglasten Rückwand. Das Licht, das so zusätzlich ins Treppenhaus fällt, kommt sanft reflektiert unten an: Die Wände des Schachts sind mit Goldfarbe gestrichen. „Gold ist eben nicht nur für Versailles gut“, sagt Emmanuel Thirard lächelnd.

Von unten betrachtet, scheint das Atelier über dem Erdgeschoss zu schweben. Die filigrane Stahltreppe, ein Entwurf des Hausherrn, tut dies tatsächlich. Sie ist nicht am Boden, sondern an den Wänden befestigt und gerät bei jedem Schritt leicht in Schwingung. Ein Stufensockel aus Beton führt im Erdgeschoss zur Konstruktion, ohne sie zu berühren. Das betont nicht nur den Effekt des Schwebens, es akzentuiert die Offenheit und Durchlässigkeit des loftartigen Raumes. Auch die Raumteiler aus Beton berühren die Decke nicht und zeigen so: Sie haben keine tragende Funktion.

Die Farben

Wenige, aber intensive

Für die Farbgestaltung hatte sich Emmanuel Thirard ein ganzes Feuerwerk vorgestellt, in Anlehnung an die bunten Graffiti, die die Hauswände rund um das Grundstück bedecken. Doch seine Frau fand das zu gewagt. „Zu viel Farbe hätte das Auge verwirrt“, erklärt sie. So einigte sich das Paar auf die Primärfarben Rot, Blau und Gelb, das hier goldfarben schimmert. In Rot gehalten sind der Betonboden im Erdgeschoss, Fassadenelemente wie das L-förmige Band an der Gartenseite und einige Einbauten. Blaugrau wurden die Holz-Zement-Paneele der Südfassade gestrichen. Und Gold bedeckt nicht nur die Wände im Treppenhaus, sondern auch die ganze Nordfassade. So blitzt das Haus hinter dem schmalen Torbogen hervor und signalisiert jedem Besucher gleich, was es ist: ein verborgener Schatz, mitten in Paris.

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Nicolas Fussler/Photofoyer