Reduziertes Traumhaus mit einer Menge Ausblick Obergeschoss, Materialien und Garten

Im idyllischen Hohenlohe wünschte sich eine junge Familie, mit der Natur zu wohnen. Anna Philipp holte sie ihr ins Haus. Ihr Entwurf feiert die Landschaft mit Transparenz – und behauptet sich mit radikaler Reduktion.

Obergeschoss, Materialien und Garten

 

DAS OBERGESCHOSS: eine Reihe Rückzugsorte

Die Raumorganisation ist klassisch: Wohnzimmer, Esszimmer und Küche befinden sich im Erd-, die Schlafräume im Obergeschoss. Vier Kinderzimmer und ein Bad reihen sich entlang eines großen Spielflurs aneinander, der durch einen Lichtschacht erhellt wird. „Unser Indoor-Fußballplatz. Hier kicken die Jungs und ich jeden Abend“, sagt Christopher Philipp. Die Söhne, zehn, neun und sieben Jahre alt, und das vierjährige Töchterchen haben in ihren kompakten Kinderzimmern zwei Ebenen zur Verfügung: Unten stehen die Schreibtische mit Blick nach Norden auf das Panorama, steile Stiegen führen zu dem darüberliegenden Halbgeschoss, dessen Pultdachfenster das Südlicht über den ganzen Raum verteilen. Darunter sind die Betten der Kinder platziert. Später sollen sie auf der Galerie schlafen – aber erst, wenn alle alt genug sind, um auch schlaftrunken noch sicher hinaufund hinunterzuklettern. Am Ende des Flurs liegen Elternschlafzimmer und -bad, denen die Ankleide vorgelagert ist – ein eigener, vom Kindertrubel abgegrenzter Bereich.

DIE MATERIALIEN: sparsam ausgewählt 

Große Platten aus Bateig, einem grauen Sandstein aus Spanien, breiten sich auf den Böden im Erdgeschoss aus, ummanteln den zentralen Esstisch und setzen sich draußen als Terrassenbelag fort. Selbst die Waschtische in den Bädern sind daraus gebaut. Der Küchenkubus wiederum wurde mit Paneelen aus Ulmenholz verkleidet. Die durchgängigen Holzmaserungen strecken die Oberflächen in die Höhe – ein einheitliches Kleid, welches das raumfüllende Möbel umhüllt. Das Wechselspiel aus Holz- und Steinmaserungen wird durch den weißen Putz der Wände noch betont. „Die Behaglichkeit kommt durch die Oberflächenstrukturen“, sagt Christopher Philipp. Von außen ist die Villa aus weiß durchgefärbtem Sichtbeton, und sie wirkt so klassisch wie mondän. Wäre da nicht die poetische Hohenloher Landschaft, könnte man fast glauben, die Côte d’Azur läge dem Haus der Philipps zu Füßen.

DIE EINBAUMÖBEL: die reine Perfektion

Wer mit vier Kindern so reduziert wohnen will, braucht vor allem eins: Stauraum. „Anders wäre das architektonische Konzept nicht alltagstauglich“, sagt die Hausherrin. Hohe Einbauschränke flankieren den Seiteneingang neben der Garage. Im Küchenblock verbergen sich Schränke, deren grifflose Türen dank des durchgehenden Furniers nicht auffallen. Der weiße Einbauschrank, der sich im Oberschoss in ganzer Länge auf einer Seite des Flurs erstreckt, bleibt fast unsichtbar. Durch ihre präzise Ausführung fügen sich die Einbaumöbel nahtlos in die Raumkonzeption. „Wenn man puristisch entwirft, kommt es auf jedes Detail an“, sagt Anna Philipp. Auf Leuchtkörper verzichtete sie meist, setzte stattdessen bündige Lichtbänder und indirekte Lichtquellen ein. So lenkt nichts vom Blick auf die Landschaft ab. Und alles, was herumliegt, kann schnell in den Schränken verschwinden.

DER GARTEN: klare Strukturen

Die Anlage des Grundstücks zeigt: Der Entwurf feiert die Landschaft in der Ferne – und bändigt die Natur in der nächsten Umgebung. Die umgebenden Wiesen sind terrassenartig in den Hang gestaffelt, Podeste und Betonmauern aus weiß durchgefärbtem Sichtbeton sorgen für eine klare Einteilung, und die Blumenbeete sind mit Stahlblech eingefasst.

Die Konstruktion

Tragender Betonkern: Unter dem holzverkleideten Küchenblock sorgt ein Betonkern mit Stahlträgern für das statische Gleichgewicht im rundherum verglasten Erdgeschoss. Durch die Konstruktion mit Stahlträgern ist auch die Auskragung des Dachgeschosses möglich. Dieses wurde samt dem zurückgesetzten Pultdach aus statischen Gründen mit einer leichten Holzständerkonstruktion ausgeführt, die nach außen unsichtbar ist. Im Winter bleibt das Haus durch Heizschläuche in den Wänden und die beheizbare Silberoxydbeschichtung der Glasflächen warm. Bauzeit: 18 Monate. Kosten: 750 000 Euro.

 

Seite 2 : Obergeschoss, Materialien und Garten
Autor:
Sandra Hofmeister
Fotograf:
Oliver Schuster, Victor S. Brigola