Frei für Kunst Eine Box mit Einbauten

Je extremer, desto besser – so wünschte sich ein IT-Spezialist und Sammler den Umbau seiner Pariser Beletage. Das Architekten-Duo Boma stellte in jeden Raum eine zentrale Box – und ließ die Wände frei für Kunst.

DIE IDEE Eine Box in jedem Raum

Um die Wände frei zu lassen wie vom Bauherrn gewünscht, zeichneten die Architekten in jeden der sechs Räume eine drei mal drei Meter große Box, in der alle seine jeweiligen Funktionen vereint waren, sei es zum Kochen, zum Schlafen oder zum Wohnen. „Doch das war dem Bauherrn zu radikal“, sagt Pauline Manser. Sie einigten sich auf fixe Einbauboxen für das Entree und die Schlafzimmer. Für die anderen Räume wurde das Prinzip aufgelockert und nur optisch realisiert, indem Möbel und Lichtobjekte zentral im Zimmer platziert wurden. So stehen im Salon das rechtwinklige Kanapee und zwei Sessel übereck in der Mitte und bilden eine Einheit mit einem darüberschwebenden Lichtobjekt, das die Architekten eigens für den Raum entworfen haben.

DIE EINBAUTEN Häuser im Haus

Die Funktionsboxen sind aus MDF-Platten gefertigt und weiß lackiert. Die im Entree wurde wie die Miniatur einer Einliegerwohnung gestaltet. Sie enthält Duschbad und WC, Kitchenette, Schrankraum und hat einen Schlafplatz auf der Decke, der über eine Leiter zu erreichen ist. Die Nichten des Hausherrn übernachten hier gern. „Im Gästeraum ist die Box wie ein Hotelzimmer konzipiert, eher unpersönlich, damit sie jedem Gast gefällt“, sagt François-Xavier Bourgeois. In ihr stecken Kleiderschränke, ein Schreibtisch mit Regalen sowie ein Duschbad, das durch eine Milchglaswand vom Raum getrennt ist. Das Glas ist indirekt beleuchtet und bildet das Kopfende für das Bett, das daran steht.

Für das Schlafzimmer des Bauherrn funktionierten die Architekten einen Archivschrank zur Ankleide um. Er besteht aus zwei Schränken, die sich auf Schienen bewegen und mit einer Handkurbel öffnen und schließen lassen. Geschlossen sehen sie aus wie ein Kubus. Geöffnet wird er zum begehbaren Kleiderschrank, in dem die Kleidungsstücke in Zweierreihen übereinanderhängen. Der Schrank wurde mit dem Druck einer Arbeit des englischen Künstlers Richard Wood beklebt, ein verzerrtes, seltsam aufgepumptes Blumenmuster in Pink und Rot. Im Arbeits- und Musikzimmer steht die Box ausnahmsweise doch an die Wand gebaut, ein Einbauschrank mit Ziehharmonikatüren, in dem sich ein Büro versteckt, mit Modulen für Computer, TV- und Musikanlage und einem weiteren Gästebett. So bleibt die Mitte des Raumes frei. Sie wird ja als Tanzfläche gebraucht.

Küche

Tisch und Leuchte in der Küche sind maßgefertigt und auf die Bilder der Schwedin Annika Larsson abgestimmt.

DIE MÖBEL Modernes Design und maßgefertigt

Der Bauherr verkaufte seine alten Möbel und lagerte Erbstücke ein, um sich ganz neu einzurichten. Neben einzelnen Designobjekten sind viele Stücke und Lampen maßgefertigt, wie der Küchentisch aus lackiertem Holz mit einem Stahlunterbau, der dem Küchenblock angepasst wurde. Die Lichtleiste, die darüberhängt, nimmt mit ihrem satten Pink die Farbe des Balls auf, der das zentrale Motiv auf den drei Fotos an der Wand ist – Stills aus einem Video der schwedischen Künstlerin Annika Larsson.

DIE ZUKUNFT Eine Galerie, konsequenterweise

Der Informatikspezialist will sich beruflich verändern und nach Bangalore ziehen, Indiens Silicon Valley. Er wird sein Appartement verkaufen. Sein Nachbar, Galerist Emmanuel Perrotin, hat Interesse. Freie Wände hätte er ja genug.

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer