Raumkonzepte Der Umbau

Der Stall eines alten Gehöfts am Niederrhein sollte Wohnhaus werden: von außen möglichst unauffällig, von innen umso radikaler. Susann Schürmann gelang beides: mit heimischen Materialien und einem Einschnitt ins Gebäude.

Außen bewahren, innen erneuern

Der Stil und die neue Grundordnung des Hauses sind schnell geschildert. „Es sollte ländlich aussehen, aber nicht nach Country-Style“, sagt die Architektin, „möglichst wenig Verkehrsflächen haben und offene Räume.“ Im ehemaligen Schweinestall, einem schmalen Bau mit Spitzdach, ist unten das Büro untergebracht und oben zwei Gästezimmer. Im Haupthaus, dem ehemaligen Kuhstall, breiten sich im Erdgeschoss die Räume zum gemeinschaftlichen Leben aus: von der Küche mit Essplatz zum Wohnzimmer mit Panoramafenster – es folgt der Form des ehemaligen Stalltores. Weil der Boden des Stalles zum besseren Abfluss ein Gefälle zum Tor hatte, liegt der Wohnbereich drei Stufen tiefer als das restliche Erdgeschoss und hat auch eine größere Raumhöhe. Ein Wintergarten wurde in die Flanke des Hauses und das Dach hineingeschnitten, aus Rücksicht auf die historische Kontur des Gebäudes, die bewahrt werden musste.

Die Ziegel der Außenmauern, ein schöner unregelmäßiger Torfbrand, ziehen in diesen Wintergarten hinein, sodass man sich in einer Zone wähnt zwischen innen und außen. Im ersten Stock unterm Dach liegt eine Galerie zum Wintergarten, die Schlafzimmer und Bäder der Eltern und der drei kleinen Kinder, auf dem Spitzboden Spiel- und Gästezimmer. Die Bauausführung war sehr aufwendig. Als einstige Stallung musste das Haus gegen Salpeter gesperrt werden. Dazu wurde von innen eine Schicht aus Kalksandsteinen vor die alten krummen Mauern gesetzt, die dabei gleich begradigt wurden – was teilweise zu Wandstärken von 80 Zentimetern führte. Die Stahlbetondecke zwischen Erd- und Dachgeschoss wurde um die alte Holzkonstruktion des Stalles herumgegossen, die Holzbalkendecke zwischen Dachgeschoss und Spitzboden ruht auf zwei riesigen Leimbindern.

Autor:
Christian Tröster
Fotograf:
Marc Seelen