Wandgestaltung Farbe und Konzept

Sie bestimmt, wie wir Dinge wahrnehmen und wie wir uns fühlen. Räumen verleiht sie Persönlichkeit, Temperatur und Größe. Damit das gelingt, sollte man Farbe komponieren wie ein Musikstück.

Wie man Räume komponiert

Was stellt Farbe mit Räumen an? Wie stimmt man Nuancen aufeinander ab? Und welche Farbe passt zu welchem Raum? Susanna Leiser, ausgebildete Farb- und Raumpsychologin in München, gestaltet Räume für Firmen und Privatkunden. Ein gutes Farbkonzept beginnt für sie gar nicht einmal mit der Entscheidung für eine bestimmte Farbe, sondern mit Farborganisation. „Sie prägt den Charakter eines Raumes“, betont Susanna Leiser. „So sollte man eine zentrale Fläche betonen, weil das dem Raum Ruhe gibt. Wenn Linien, Säulen oder Heizkörper farblich hervorstehen, geschieht das Gegenteil.“ Anders ausgedrückt: Wenn man einen ganzen Raum in Aubergine streicht, sollte man Rohre und Heizkörper nicht Weiß lassen. Harmonie entsteht, wenn ein Farbkonzept alle Räume mit einbezieht. Für jeden Raum sollte man sich drei, vier Farben aussuchen, die sich auch in bereits vorhandenen Textilien oder Möbeln finden. „Wenn man die Farben nebeneinanderlegt, sollten sie alle zusammenpassen“, erklärt Susanna Leiser.

starke Farben

Für Fortgeschrittene: starke Farben wie Hellblau, Orange und Rot. So erst entstehen Wohnbereiche in einem offenen Bau ohne Zimmer.

Ob man das Esszimmer in kommunikativem Orange oder in dramatischem Nachtblau will und das Schlafzimmer in transzendentem Blau oder einem höhlenhaften Schokoladenbraun, ist eine Frage der Persönlichkeit – und Intention: Kühle Farben lassen Räume größer wirken, warme Farben kleiner, aber auch gemütlicher. Monochrome Anstriche helfen, in ungleichmäßig geschnittenen Räumen Fehler auszugleichen. In symmetrischen, hellen Zimmern wiederum ist es schön, die Decke nicht in der Wandfarbe zu streichen, sondern in einer aufgehellten Variante. Harmonie lässt sich über die Verwandtschaft der Farben erzeugen, über einen ähnlichen Sättigungsgrad zum Beispiel.

Aber vor allen Dingen kommt es auf den „Flow“ an. Die Farbexperten des britischen Traditionshauses Farrow & Ball raten: Die Farben, die in einem Flur und den angrenzenden Zimmern verwendet werden, sollten gleich stark sein. Wer in einem Raum mit mehreren Abmischungen eines Farbtons arbeitet, etwa um Stuck, Fensterrahmen oder Säulen zu betonen, sollte die kräftigere Farbe auf den Wänden und die dezentere auf den kleinen Flächen anwenden, um Ruhe zu vermitteln. Manchmal kann das genaue Gegenteil aber auch erfrischend sein.

Autor:
Dorothea Sundergeld
Fotograf:
Kumicak + Namslau