Die Hohe Kunst der Präzision Meisterwerke von Uhrenmanufaktur Patek Philippe

Für einzigartige Meisterwerke setzt die Schweizer Uhrenmanufaktur Patek Philippe noch heute auf feinstes Handwerk. Im Oktober 2013 zeigt sie ihre Schätze in München.
Dom-Pendulette von Patek Philippe

Jahrelange Übung und eine absolut sichere Hand sind nötig, um vor dem Emaillieren die Konturen aus haarfeinem Golddraht zu formen. Bild oben: Prächtige Paradiesvögel zieren die Dom-Pendulette. Cloisonné-Emaille lässt die Farben des kostbaren Unikats leuchten.

„Die Ausstellung ist das Größte, was wir jemals außerhalb unserer Heimatstadt Genf realisiert haben“, erklärt Thierry Stern, in vierter Generation Präsident der Schweizer Uhrenmanufaktur Patek Philippe. „Wir zeigen ja nicht nur unsere aktuelle Kollektion, sondern die ganze Geschichte des europäischen Uhrmacherhandwerks, der seltenen Kunsthandwerke wie Emaillemalerei, Gravur und der Haute Joaillerie.“ Weil Handwerkskunst nur dann nicht ausstirbt, wenn sie praktiziert wird, ließ der damalige Präsident Henri Stern auch nach 1940 Uhren mit aufwendigen Gravuren, Emailleund Einlegearbeiten herstellen – obwohl sie oft jahrelang auf einen Käufer warteten. Die kostbarsten Stücke landeten in der eigenen Sammlung, die Sohn und Enkel weiterführten. Unter dem Titel „KunstWerkUhr“ präsentiert das Familienunternehmen nun in München auch sehr seltene Stücke aus fünf Jahrhunderten Uhrmachergeschichte.

Lépin-Taschenuhr.von Patek Philippe

Uhrmacherei, Handgravur und Holzmarqueterie vereint die einzigartige Lépin-Taschenuhr. Das Bild des Wanderfalken auf der Rückseite ist aus 250 Intarsienteilen 20 verschiedener Holzarten eingelegt. Reliefgravuren zieren Goldgehäuse und Krone.

Cloisonné Emaille, auch Zellenschmelz genannt, ist eine der Genfer Spezialitäten – Bilder, mit der Leuchtkraft von Hinterglasmalerei. Golddraht, so fein wie menschliches Haar, liegt als Kontur um die Farbflächen der exotischen Motive. Die einzelnen Zellen werden mit Emaillefarben gefüllt, nach und nach im 850 Grad heißen Ofen geschmolzen und eingebrannt. Nur Unikate oder sehr kleine Stückzahlen, Dom-Penduletten, Weltzeit-Armbanduhren mit Karten und limitierte Auflagen mit bebilderten Zifferblättern werden so aufwendig veredelt. Die Fertigung eines Zellenschmelz-Zifferblatts kann sieben Tage dauern, bis zu 30 Farben haben und 15 Brennvorgänge erfordern.

Marqueterie, sehr kleine Holzintarsien, ermöglichen Zifferblattdekors mit feinsten Details. Zunächst zeichnet der Kunsttischler das Motiv, fertigt Kopien und schneidet jedes Bildelement aus. Nach diesen Vorlagen wählt er aus 130 unterschiedlichen Furnierhölzern das passende aus, legt zehn Schichten aufeinander und sägt das Element aus. Das Teilchen, das am besten zur Komposition passt, setzt er in sein Motiv. Wenn es fixiert, gepresst, getrocknet und geschmirgelt ist, kommt das Finish: wachsen, glanz- oder mattlackieren.

Spieluhr von 1830 von Charles-Abraham Bruguier

Ein goldener Käfig mit fünf singenden Vögeln, ein Meisterwerk von Skelettier-, Gravur- und Emaillekunst, gefertigt um 1830 für den türkischen Markt. Das Werk der Spieluhr trägt die Signatur des großen Uhrmachermeisters Charles-Abraham Bruguier (1788–1862).

Gravur, Skelettieren und Haute Joaillerie gehören zu den Königsdisziplinen der Uhrmacherkunst, die in der Patek-Philippe-Ausstellung zu bewundern sind – und zwar live. Und wer den Kunsthandwerkern einmal auf die Finger geschaut hat, ist nicht nur fasziniert, sondern versteht, warum dieses Kulturgut unermesslichen Wert besitzt.

Ausstellung: KunstWerkUhr, Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstr. 8, 80333 München, 17.–27.10.2013, 10 –18 Uhr, Eintritt frei

Autor:
Dagmar Steffen