Zauberer schmucker Kunst Auf der Suche nach Einzigartigkeit

Zauberer schmucker Kunst: Otto Jakob gilt international als einer der ungewöhnlichsten und besten Schmuckkünstler. Seine magischen Stücke sollen nicht nur gefallen, sondern wollen begehrt werden.

„Ob mein Schmuck Kunst ist? Ach, lassen Sie mir doch Zeit! Er soll zumindest etwas sein, das mich überlebt“, sagt der kreative Hüne mit einem schiefen Grinsen. Bahnt sich da eine neue Bescheidenheit an, wo man doch viel gelesen hat über Jakob’sche Reden, die vor Selbstbewusstsein strotzen? „Ich will nicht weniger als Schmuckgeschichte schreiben.“ Oder: „Mich interessiert null, Deko zu machen, das ist entwürdigend.“ Und: „Ich habe immer nach Einzigartigkeit gesucht.“

Sollte also dieser Mann kurz vor seinem 60. Geburtstag leise lächelnd altersgütig werden? Eher nicht. Es ist schlicht sein Gegenüber, das in dem Gespräch mehr über ihn erfährt und durch den Kontakt mit dem besonderen Werk besser versteht, was dieser Ausnahme-Kreative ausdrücken will. Großartig, reich wie eine Kunstkammer der Renaissance soll es sein, eigensinnig transportiert ins Heute.

Künstler wollte Otto Jakob immer schon werden, aber eher ein Maler von Bedeutung. Er studierte zunächst bei Georg Baselitz an der Akademie in Karlsruhe. An der Staffelei konnte er sich ausdrücken, aber nicht gut genug. Also schmiss er hin und machte dort weiter, wo er als 17-Jähriger schon einmal große Lust empfunden hatte – und besonders war: beim Herstellen kleiner Schmuckstücke, die er einst in Hippie-Manier für seine Freundin, die Kunststudentin Veronika, gemacht hatte.

Veronika ist seit drei Jahrzehnten seine Frau, sie haben einen Sohn, der in den USA als Informatiker an seiner Doktorarbeit werkelt, und eine Tochter, die „um Himmels willen ausgerechnet Goldschmiedin“ werden will, erklärt der Vater. Eine Lehre, eine konventionelle Ausbildung, das war nichts für den Studenten Otto, der sich schon als Kind für antike Kunst und Handwerk interessiert hatte, für Botanik und für eigentlich alles, was ihn umgab.

„Das Holz des umgehauenen Buchsbaumes hinterm Haus, die Pilze, die wir gesammelt haben. Ich merkte schnell, dass ich dadurch leidenschaftlicher mit meiner Arbeit verknüpft war. So bin ich dabei geblieben.“ Autodidaktisch, getrieben von der Sehnsucht und dem Talent, das Schöne im Ungewöhnlichen zu entdecken, hat sich Otto Jakob wie ein Forscher an sein Werk gemacht. Hat im Quellenstudium bei den Etruskern, den Kelten und den Handwerkern der Renaissance nach alten Techniken der Schmiedekunst geforscht.

Autor:
Barbara Kraus
Fotograf:
Beatrice Frehn, Hans Hansen, Johanna Jakob, Otto Jakob, Tamara Imbriani, Volker Kirschner