Wohn-Couture Die Perfektion ist neu in diesen Räumen

Selbst die größte Wohnung wirkt beengt, wenn sie falsch geschnitten ist: Eine Familie brauchte in ihrem Pariser Appartement mehr Platz für Kinder, Bücher, Kunst und Design-Mobiliar. So änderte Architektin Charlotte Macaux Perelman den Grundriss und schuf ein großzügiges Ambiente mit Stauraum und Rückzugsmöglichkeiten auf Maß.

Bevor Charlotte Macaux Perelman die Wohnung vor zwei Jahren renovierte, „waren die Bücher überall in der Wohnung verstreut“, erinnert sie sich. „Sie lagen übereinandergestapelt auf dem Boden, auf den Tischen, Konsolen und Kanapees oder waren in Kisten verstaut.“ Die Altbauwohnung bot, obwohl 350 Quadratmeter groß, nicht genügend Stauraum. Außerdem gab es keine Ankleide und nur zwei Kinderzimmer.

Wie aufs Stichwort öffnet sich die Eingangstür, zwei Jungen und ein Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren stürmen herein. Jacken werden wortreich abgestreift, Schulranzen in die Ecke gefeuert. Eine kurze, aber höfliche Begrüßung, ein neugieriger Blick auf die Kamera des Fotografen. Und ab in die Küche zu einer der beiden Hausdamen, die bereits das Mittagessen vorbereitet hat. Die Kinder störte das pêle-mêle, das Durcheinander von früher gar nicht. Sie seien neugierig und, Maman oblige, bereits kleine Leseratten, die sich der Bücher bedienten, wie es ihnen gefiel – manchmal auch, um darin zu malen, erzählt Charlotte Perelman. Aber die Eltern wünschten sich endlich freie Böden und Wände für ihre Möbel, ein Mix aus Erbstücken aus dem 18. und 19. Jahrhundert und einer kleinen, exquisiten Kollektion von Designobjekten der 1950er- Jahre, Platz für ihre Fotosammlung – und insgesamt einfach mehr Ordnung.

Das Problem war nur: Der Hausherr wollte auf keinen Fall renovieren. Lieber in ein neues Apartment ziehen. Seine Frau aber mochte die ruhige Lage mit Blick auf den Garten ungern aufgeben. Charlotte Macaux Perelman, die den Besitzern vor zwölf Jahren schon einmal ein kleineres Appartement umgebaut hatte, fand eine Lösung, die beide überzeugte: Die Renovierung der Wohnung würde nur fünf Monate dauern, davon zwei während der Schulferien. Drei Kinderzimmer würden entstehen. Und: Das Paar würde einen separaten Trakt bekommen, konzipiert wie eine Hotelsuite.

Wie man Räume schafft, die privat und zugleich repräsentativ sind, hat die Französin vor allem im Ausland bei den Stars der Branche gelernt. Für Philippe Starck arbeitete sie u. a. als Projektarchitektin des „Sanderson“-Hotels in London und des „Miramar“ im kalifornischen Santa Barbara, sie war an Restaurantprojekten des New Yorker Designers David Rockwell beteiligt und verantwortete für den Hotelier André Balázs die Neugestaltung des Hotels „The Raleigh“ in Miami Beach. Von Starck habe sie den theatralischen, oft humorvollen Umgang mit Materialien und Räumen übernommen, sagt sie. Bei Rockwell lernte sie das Handwerk zu schätzen, und dass jede Idee realisierbar ist, von André Balázs, dass manchmal nur kleine Eingriffe notwendig sind, um das Bestehende aufzuwerten. Seit 2005 führt Charlotte Macaux Perelman in Paris und New York die Agentur CMP, ihr eigenes Architekturbüro.

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Schlagworte:
Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer