Wohn-Couture Das Raumkonzept

Selbst die größte Wohnung wirkt beengt, wenn sie falsch geschnitten ist: Eine Familie brauchte in ihrem Pariser Appartement mehr Platz für Kinder, Bücher, Kunst und Design-Mobiliar. So änderte Architektin Charlotte Macaux Perelman den Grundriss und schuf ein großzügiges Ambiente mit Stauraum und Rückzugsmöglichkeiten auf Maß.

Die Pariser Wohnung teilte sie in einen offiziellen und einen persönlichen Bereich. Auf der Ostseite bewahrte sie die Raumstruktur mit dem Entree, dem 80 Quadratmeter großen Salon, dem Esszimmer und der Küche. Im Westteil aber ließ sie alle Zwischenwände bis auf eine tragende herausreißen und schuf einen neuen Grundriss mit dem Elterntrakt aus Schlafzimmer, Bad und – anstelle eines alten Flurs – endlich einer großzügigen Ankleide. Das 1980er-Jahre-Ambiente des dunkelbraun gefliesten Bads bekam Böden, Wände und Einbauten aus weißem Carrara-Marmor. Ein kleiner Flur trennt den Elternbereich von den drei Zimmern der Kinder, die sich zwei Bäder teilen. Die Gestaltung der Räume ist betont minimalistisch, auf Stuckaturen an Wänden und Decken – im vorderen Teil erhalten und weiß gestrichen – wurde hier verzichtet. Die Auslegeware wich überall einem Eichenparkett.

Der Intimität des Schlafbereichs steht die Offenheit der Wohnräume gegenüber. Hier wurden alle Türen entfernt, „um Durchsichten zu schaffen“, wie Charlotte Macaux Perelman erklärt. Herzstück ist der Essplatz, der durch die deckenhohen Regale, wie alle Einbauten Entwürfe der Architektin, auch zur Bibliothek wird. Die Bücher rahmen einen Esstisch mit sechs Stühlen, ein Ensemble, das Pierre Paulin in den 1980er-Jahren für den damaligen französischen Staatspräsidenten Mitterrand entwarf. Manchmal muss das Ensemble aber fünf von der Architektin ersonnenen Tischen weichen. Sie werden immer dann aus dem Keller geholt, wenn die Hausherrin eines ihrer Diners für bis zu 40 Gästen gibt. Die Wohnung gleicht dann geradezu einem Blütenmeer, überall stehen mannshohe Bouquets, das Essen ist formidable – doch für die Bücher gilt auch dann: Bitte nicht berühren!

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Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer