Werner Aisslinger Umbau und Ausstattung

Werner Aisslinger ist bekannt für reduzierte Möbelkreationen und den „Loftcube“, eine mobile Wohnbox. Sein Bauernhaus an der Adria in Süditalien erklärte er jedoch zur (fast) designfreien Zone. Hier zählen nur der Ausblick auf den Olivenhain, die Sommertage auf den drei Terrassen – und selbstgemachte Pasta.

 

Abenteuerlich waren Umbau und Ausstattung des Hauses auch ohne Besitzerstreitigkeiten. Vor allem die Platzierung der Küchenarbeitsplatte erwies sich als Herausforderung: Die 500-Kilo-Platte aus „Pietra“-Marmor wurde bei der Anlieferung von einem Lastwagen aus per Kran in den Garten hinuntergehievt – 15 Meter vom Haus entfernt. Der Fahrer verschwand, ehe die neuen Hausherren die Nachlässigkeit bemerkten. „Im ersten Moment waren wir ratlos, wie wir das Mons - trum ins Haus schaffen sollten“, erinnert sich der Designer. Dann beschwatzte er einen Bauarbeiter, der in der Nähe werkelte. Der zog die Lastkette seines Baggers durch die Gaszufuhröffnung der Küchenplatte, hob sie an und schaffte sie so bis vor die Eingangstür. „Von dort aus rollten wir sie zu zehnt, wie Ägypter die Steine beim Pyramidenbau, auf Eisenrohren an die gewünschte Position und stemmten sie mit zwei LKW-Wagenhebern auf die richtige Höhe.“ Erst dann wurde sie untermauert und Spülmaschine und Herd fanden darunter Platz.

Steinerne Einbauten sind typisch für die traditionellen Interieurs auf dem Land, Bettensockel und Sitzbänke gemauert. Nur der Esstisch und die acht Vintage-Eames-Stühle sind bewegliches Mobiliar. „Es ging uns nicht darum, ausgefallene Designermöbel zu platzieren“, sagt der Gestalter, der gerade auf der Mailänder Möbelmesse zusammen mit BASF den „Hemp Chair“ vorstellte, den weltweit ersten Stuhl ganz aus Naturfasern. „Es ist die reine Erholung für mich, wenn ich aus Berlin hierher komme, den Kopf voller Deadlines, und dann inmitten schlichter Einrichtung die ebenso schlichte Landschaft genießen kann“. Die Masciola erweiterte Werner Aisslinger mittlerweile auf 120 Quadratmeter. „Beim ersten Apulien-Trip kamen wir mit einem voll beladenen Sprinter hierher. Wir hatten kein fließend Wasser, Stromausfälle und jede Menge Arbeit!“ Beim Anstreichen der Fassade halfen auch Tochter Florentine, 15, und Sohn Julian, 16, mit. Wenn die Energie in der Hitze des Tages dahinschmolz, gab es Mozzarella, Spaghetti aglio e olio und Frittata „alla Florentine“. „Abends haben wir auf der Dachterrasse gesessen und Filme geschaut“, sagt Werner Aisslinger und schaut urlaubs - entspannt. Die Deadlines? Verweht von einer Sommerbrise.

Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Patricia Parinejad