Art déco Das Apartmenthaus

Luiz Fernando Grabowsky wollte eigentlich zum Ballett. Doch dann studierte er Architektur – und begann, Porzellantänzer des Art déco zu sammeln. Heute prägt der Stil dieser Epoche sein ganzes Apartment in Rio de Janeiro.

Die Wohnung liegt im Stadtteil Ipanema, im Süden Rios. Nicht direkt am Meer, sondern direkt an der Lagoa Rodrigo de Freitas, dem Binnensalzsee der Stadt. Es sind 300 Quadratmeter im zweiten Stock eines Apartmenthauses aus den 1960ern, vor sieben Jahren zog das Paar hier ein. Sie ließen den zweifarbigen Holzboden aufarbeiten, Wände wegnehmen, andere einziehen und alles in hellem Braun oder Grünblau streichen, um die Räume der Sammlung anzupassen und zugleich Ruhe in diese Fülle von allem zu bringen. Die Farben finden sich im Holz der Möbel und in den Teppichen wieder, in den Bezugsstoffen der Polster und in dem Patchwork-Fries aus unterschiedlichsten Art-déco-Kacheln, der im Esszimmer das untere Drittel der Wände schmückt. Sie zähmen das Jaguarmuster eines Cocktailsesselchens, vereinen blaugoldene Sèvres-Vasen mit einem griechischen Bronze-Athleten und korrespondieren mit dem Grün der Lagune und den tropischen Bäumen vor dem Fenster. „Es lag nahe, das Panorama in die Gestaltung der Räume mit einzubeziehen“, sagt Fernando Grabowsky.

Vor allem, weil man am anderen Ende der Lagune auf dem Corcovado-Hügel die bekannteste und größte Art-déco-Statue der Welt sieht: den „Cristo Redentor“ (Christus der Erlöser), Wahrzeichen der Stadt. Die Skulptur aus Beton und Speckstein wurde zwischen 1922 und 1931 nach Vorgaben des französischen Bildhauers Paul Landowski erbaut und wacht über Rio. Sie ist knapp 40 Meter hoch, die ausgebreiteten Arme messen 30 Meter – doch wenn man bei Fernando Grabowsky und Pedro Guimarães aus dem Esszimmer schaut, erscheint sie klein wie eine weitere Figur ihrer Sammlung. Zum 80. Jahrestag ihrer Fertigstellung fand in diesem Sommer der Art-déco-Weltkongress in Rio statt. Nando Grabowsky hat ihn mitorganisiert. Er ist Vizepräsident der „Art Déco Society Brazil“, die sich auch um den Erhalt der gut 300 noch vorhandenen Art-déco-Gebäude in der Stadt kümmert. Sie zeugen von dem Bauboom, den die stark wachsende Wirtschaft Brasiliens in den 30er- und 1940er-Jahren auslöste.

Autor:
Volker Corsten
Fotograf:
Patricia Parinejad