Wohnen am Tafelberg Haus auf einer Brücke

Domizil im Wald
In das dreigeteilte Gelände setzten van der Merwe Miszewski eine 26 Meter lange Stahlbrücke, die den mehrteiligen Baukörper trägt, der sich der Hanglage anschmiegt. Von der Straße gelangt man über eine hölzerne Gangway in den auf der Brücke sitzenden oberen Wohnbereich mit Kitchenette, Kaminplatz und großem Esstisch – einen auf allen Seiten verglasten Raum, dessen großflächige Scheiben fast gänzlich zu öffnen sind. Im Hochsommer bringt so der typische Kapstädter Wind ein kühles Lüftchen in den Raum. Gegen allzu viel Licht und als Sichtschutz lassen sich Holz-Läden vor die Glasfronten schieben.

Der Blick aus diesem Teil des Hauses ist der staunenswerteste: Zwischen den hohen Baumwipfeln, über den wilden Garten hinweg erscheint die Skyline Cape Towns vor der Hafenkulisse mit der beliebten Waterfront, die mit ihren Ausflugsschiffen, Hotels und Restaurants, Bars und Boutiquen, Galerien und Souvenirmärkten ein Anziehungspunkt für Touristen wie Einheimische ist. „Wir sind in zehn Minuten dort mittendrin oder auch am Strand in Camps Bay – und hier oben doch ganz weit weg vom städtischen Trubel“, loben die Hausherren ihre beneidenswerte Lage. Von der Glasbox gelangt man auf die Dachterrasse über dem zweiten, tiefer liegenden Wohntrakt, und zu dem hinunter führt rechter Hand im Glasquader eine elegant frei schwebende Zickzack-Holztreppe.

Zum Haupt-Schlafzimmer mit offenem Bad, das über dem unteren Wohnbereich mit der Frühstücksküche und dem Ausgang zur Poolterrasse liegt, führt auf halber Höhe der Treppe eine „Brücke“ – das häufig wiederkehrende Motiv des Hauses. Eine Brücke bildet auch der architektonische Überhang des Schlaftraktes (darin haben die Planer die Kleiderschränke eingebaut, perfekte Maßarbeit) in den von oben belichteten Flur, der diesen Hausteil mit den Gästezimmern verbindet. Bis vor einem Jahr standen die Hausteile separat, nun sind sie durch eine Glaspassage verbunden. Für ihn musste ein alter Baum gestutzt werden – treibt aber wieder gesund aus. „Die Mauer zum Nachbargelände haben wir nur gebaut, damit der Tafelberg nicht einstürzt“, kalauert Jan und führt den Besuch durch den Garten hinunter zum Gästehaus, das „Love Nest“ heißt, weil sie dort Verliebte einquartieren, die ihr eigenes Reich mit Terrasse an einem Naturteich genießen können.

„Früher haben wir das Haus in unserer Abwesenheit durch Agenturen vermietet: Die 575 Quadratmeter Wohnfläche bieten ausreichend Platz für Paare und Familien“, erklärt Lars. „Kinder unter zwölf waren aber tabu, schon wegen der nicht ungefährlichen Treppen.“ Wer googelt, findet das Bridge House zwar immer noch im Netz, aber es kann längst nicht mehr von Fremden gebucht werden.

Häuser gestalten ist ihre Passion. Jan te Lintelo und Lars Nikolajsen haben sich vor Kurzem neben ihrer Privatwohnung in Antwerpen noch ein weiteres Zuhause gegönnt: ein Haus mit See-Zugang in Zeeland, dem südwestlichsten Teil der Niederlande an der Grenze zu Belgien. Auch dieses Haus hat Glasfronten, ist offen zur Landschaft und erlaubt grandiose Ausblicke (A&W wird es in einer der nächsten Ausgaben vorstellen). Da sie Möbel fertigen, richten sie natürlich ihre Häuser mehrheitlich mit den eigenen Modellen ein. „Aber auch mit Design-Ikonen von Marcel Wanders oder den Campana- Brüdern. Und natürlich mit viel Kunst!“

Im Bridge House versammeln sie nur Bilder und Objekte südafrikanischer Künstler. „Ist diese Skulptur nicht schön?“, Jan streichelt darüber. Staunen und Begeisterung eben.


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Seite 2 : Haus auf einer Brücke
Schlagworte:
Autor:
Barbara Friedrich
Fotograf:
Bärbel Miebach