Architekt und Designer Michele De Lucchi baut eine Scheune zum Ferienhaus um Michele De Lucchi

Im schweizerischen Engadin baute der italienische Architekt und Designer Michele De Lucchi eine Scheune zum Ferienhaus aus. Als Box in der Box schob er eine moderne Holzarchitektur in die alte Hülle. Ein besonderes Schmuckstück ist die Giebelseite. Verschieden große Fenster fügen sich in ihr zu einer Collage. 

Im Allgemeinen kennt man ihn als Designer, als Mitbegründer der Kultgruppen Alchimia und Memphis und als Chefgestalter bei Olivetti. In den letzten Jahren hat sich seine Arbeit zugunsten der Architektur verändert: 80 Prozent seiner Aufträge haben jetzt mit Bauen zu tun. Im kürzlich wieder eröffneten Neuen Museum in Berlin stammt das Ausstellungs- Interieur bis hin zu Nofretetes Vitrine aus seinem Büro. Der Architekt und Designer liebt alte Häuser. Er lebt selbst in einem und ist voller Begeisterung für den klugen Einsatz von Material, für die Aufteilung von Räumen und die Erfahrungen aus Jahrhunderten, die sich in ihnen summieren.

„Alte Häuser“, sagt Michele De Lucchi, „zeigen, dass in der vorindustriellen Zeit jeder Handwerker auch Designer war. Problemlösungen fand er beim Bauen.“ Während Michele De Lucchi seine Entwürfe für die Scheune des 1554 gebauten Hauses zeichnete, saß er in der alten Stube oder Stüva, wie man in Zuoz rätoromanisch sagt. Klein und fensterlos liegt sie wie eine Zelle im Inneren des Gebäudes. „Das spart Energie“, sagt Michele De Lucchi. Decken, Wände, Boden bestehen aus mit der Zeit rehfarben gewordener Tanne. Das Holz isoliert gut, denn es ist ein schlechter Wärmeleiter. Regale sind in die Wände eingearbeitet. Die schlau organisierte Stube fasziniert den Designer. Ihre folkloristische Gemütlichkeit weckt auch Zweifel. „Manchmal“, sagt er, „ist es schwer, den Unterschied zwischen dem zu finden, was historisch interessant und klug ist, und dem, was nur folkloristisch reizt – so wie rote Blumen vor weißen Vorhängen.

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Santi Caleca