Architekt und Designer Michele De Lucchi baut eine Scheune zum Ferienhaus um Das Haus in Zuoz

Im schweizerischen Engadin baute der italienische Architekt und Designer Michele De Lucchi eine Scheune zum Ferienhaus aus. Als Box in der Box schob er eine moderne Holzarchitektur in die alte Hülle. Ein besonderes Schmuckstück ist die Giebelseite. Verschieden große Fenster fügen sich in ihr zu einer Collage. 

Das schöne Zuoz ist ein Paradebeispiel für solche Volkstümlichkeit. Kein anderes Dorf im Oberengadin hat einen ähnlich trutzigen Ortskern mit Gebäuden, die wie das seiner Bauherrin schon seit dem 16. Jahrhundert hier stehen. Die hatte ihres nach dem Kauf aufmerksam restauriert. Sie sorgte für Fenster, Türen, Böden und die alte Stüva: „Nicht eine Wand wurde geändert.“ Übrig blieb die Scheune, „randvoll mit Dreck“. Hier wünschte sie sich „hohe Decken, drei Schlafzimmer und drei Bäder“. Vor allem „sollte es ganz einfach und komfortabel sein“ – ein moderner Kern in der alten Schale. „Alles offen lassen“, ist Michele De Lucchis erster Gedanke, als er aus den aufgestellten Scheunentoren zu den Bergen schaut.

Doch eine Panoramascheibe in der Giebelseite hätte das Haus zum Schaufenster gemacht. Außerdem hätten Teile einer solchen Glasfassade industriell hergestellt werden müssen. Und genau das wollte der Verehrer handwerklicher Kunstfertigkeit vermeiden. Jegliche Form von Industrialisierung will er aus diesem Haus fernhalten. Statt sechs gleiche Fenster in die Fassade zu setzen, denkt er sich ein Sofa, um auszuprobieren, wo  von ihm aus die Blicke zu den Bergen schweifen. Stellt sich hierhin, dann dorthin, imaginiert noch einen Sessel, testet die möglichen Perspektiven aufs Panorama, platziert ein ums andere Fenster und macht so „die Fassade zu einer Collage, in der nicht ein Element dem anderen ähnlich sieht.

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Santi Caleca