Architekt und Designer Michele De Lucchi baut eine Scheune zum Ferienhaus um Der Ausbau

Im schweizerischen Engadin baute der italienische Architekt und Designer Michele De Lucchi eine Scheune zum Ferienhaus aus. Als Box in der Box schob er eine moderne Holzarchitektur in die alte Hülle. Ein besonderes Schmuckstück ist die Giebelseite. Verschieden große Fenster fügen sich in ihr zu einer Collage. 

Für den Ausbau trifft er dann eine grundsätzliche Entscheidung. Um die Struktur der Scheune nicht anrühren zu müssen, die teilweise mürben Balken entlasten und stabilisieren zu können, zieht er nach dem Vorbild der Stüva ein „Haus im Haus“ ein – wie diese komplett aus Lärche gebaut. Im Erdgeschoss entsteht ein offener Raum fürs Wohnen, Essen, Kochen. Eine einfache Treppe führt in seiner Mitte zu den Schlafräumen empor. Um Großzügigkeit und Weite zu erhalten, lässt Michele De Lucchi etwa ein Drittel der 103 Quadratmeter Erdgeschossfläche wie in vielen alten Häusern üblich als Halle bis in das Dach hinein offen.

Wie bei der Fassade vermeidet der Architekt im Innern jede Art „industrieller Repetition“. An ihre Stelle tritt ein ästhetisches Diktat. Gerade Linien, wohin man schaut. Kanthölzer, Balken, Bretter und Dielen ergeben Flure, Schlaf- und Baderäume. Jede Fuge, jede Leiste verläuft vertikal oder horizontal. Vielleicht um dem Verdacht auf Folklore zu entgehen, kommen die bei traditionellem Fachwerk üblichen diagonalen Versteifungen kaum vor. Bolzen halten die Strukturen im Inneren zusammen. Es fehlt nicht viel, und man fühlte sich wie in eine ins Unendliche verwinkelte Saunalandschaft versetzt. Gäbe es nicht ein allerorts angebrachtes Kontrastprogramm.

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Santi Caleca