Avantgarde im Feriendomizil Lokale Stiltraditionen

Selbst im Skiurlaub in Aspen will ein Sammler aus Miami nicht auf seine Schätze verzichten. Das Haus, das ihm der New Yorker Interiordesigner Frank de Biasi einrichtete, offenbart hinter seiner rustikalen Tarnung ein Ambiente aus provokanter Avantgarde-Kunst und exquisitem Mobiliar – für Natur und Tiefschnee bleibt da nur eine Nebenrolle.

De Biasi begnügt sich mit wenigen Hinweisen auf lokale Stiltraditionen: „Wie viele Häuser dieser Generation erinnerte auch dieses eher an ein Bürogebäude, die Architekten bauten damals nicht mit viel Respekt für die Umgebung. Wir haben die banalen Rigipswände mit Holz verkleidet, um so den amerikanischen Westen heraufzubeschwören.“ Das Material stammt wie die Deckenbalken aus stillgelegten Fabrikbauten in Indiana und Ohio.

So viel zur Skihütte. Der Rest, meint de Biasi, verkörpere die Persönlichkeit seines Kunden, den er als „risikofreudig, intensiv, herausfordernd“ beschreibt. Wie sonst auch ließe sich der „Pollution Table“ im Wohnzimmer erklären, der wie der Schrank in der Eingangshalle zur „Räuberbaron“-Serie von Studio Job gehört? Der Qualm, der sich zur Tischplatte formiert, entweicht einem finsteren Gebäude, das vom Battersea-Elektrizitätswerk in London und der Berliner AEG-Turbinenfabrik von Peter Behrens inspiriert ist. Gut 700 000 Dollar ist das Objekt teuer, und den Designern zufolge erzählt es die Geschichte von den „unerhörten Exzessen der amerikanischen Industriellen des 19. Jahrhunderts und Russlands neuen Oligarchen“. Mit dem kostbaren sozialkritischen Stück verkündet der Hausbesitzer wohl kaum sein Engagement für die Ausgebeuteten dieser Welt. Es dient ihm eher als Einladung zu provokanten Gedankenspielen.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
John Ellis/Living Inside