Avantgarde im Feriendomizil Stilleben aus Möbeln

Selbst im Skiurlaub in Aspen will ein Sammler aus Miami nicht auf seine Schätze verzichten. Das Haus, das ihm der New Yorker Interiordesigner Frank de Biasi einrichtete, offenbart hinter seiner rustikalen Tarnung ein Ambiente aus provokanter Avantgarde-Kunst und exquisitem Mobiliar – für Natur und Tiefschnee bleibt da nur eine Nebenrolle.

Die Lust auf Raritäten zeigt sich auch im Gästezimmer, wo der Prototyp eines frühen Sessels aus der Werkstatt des amerikanischen Exzentrikers Wendell Castle – dem Lieblingsdesigner des Hausherrn – in akrobatischer Position verharrt: Weit zurückgelehnt scheint dieses Möbel aus Holz und Leder vor einer japanischen Kommode zu knien, deren blattvergoldete Türen beim Öffnen singen. De Biasi benutzte das Möbel des späten 19. Jahrhunderts als Sockel für das reliefhafte Gemälde eines Pilzes von dem Amerikaner Roxy Paine. Das Interiorstillleben ist typisch für Frank de Biasis Arbeit: Die einzelnen Objekte sind sehr verschieden, was sie verbindet, ist ihre handwerkliche Brillanz.

Dieses Können findet der Gestalter fast nur in der alten Welt. In New York geht er nie einkaufen, er unternimmt regelmäßig Reisen nach Europa, wo er den Mosaiktisch des Möbelkünstlers Ado Chale aus Brüssel aufspürte oder den Esstisch des Franzosen Pierre Charpin. Was er nicht findet, gibt er in Auftrag, wie die schweren Stühle mit den Art-nouveau-Schnörkeln des brasilianischen Künstlers Saint Clair Cemin, der auch den Bronzeleuchter im Esszimmer entwarf. „Amerikanern fehlt die Geduld für das Kunsthandwerk“, meint de Biasi. Doch die Aura der Stunden, die in die Erschaffung dieser erlesenen Objekte geflossen sind, atmet man auch noch in der dünnen Luft von Aspen.

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Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
John Ellis/Living Inside