Farbenfrohe Wohnwelt Amerikanische Ostküste

Wer wohnt denn da? Ein Serienmörder? Ein Set-Designer? Ein Architekt aus Disneyland? Diese Pracht hat sich auf jeden Fall ein kühnes, verspieltes und in seiner Schrägheit konsequentes Hirn ausgedacht. Da ist sich unsere Kolumnistin sicher. So falsch lag sie noch nie. 

Jedenfalls: Einigen wir uns auf die amerikanische Ostküste. Und auf jemanden, der ein libidinöses Verhältnis zum Baseball hat. Die spektakuläre Couch mit den Insignien und Buchstaben alter Baseball-Shirts! Die antiken Sportwimpel im Diningroom! Ohnehin haben wir es mit einem ausgesprochenen Lokalpatrioten zu tun, und zwar einem mit exquisitem Geschmack (doch, doch!) und einigen finanziellen Mitteln. Allein die Sammlung von handgeschnitzten Tramp-Art-Bilderrahmen aus dem späten 19. Jahrhundert und anderen Exponaten amerikanischer Folk-Art ist schon mal doll. Und dann die Möbel! Die – Verzeihung, aber das muss jetzt sein – astreinen Esszimmerstühle und das, räusper, stämmige Bett aus den Adirondacks! (Ich rate hier nur, ich habe nicht die geringste Ahnung von amerikanischen Rustikal-Antiquitäten.) Das Ganze, wohlgemerkt, nicht in einer romantischen Hütte in Upstate New York, sondern mitten in der Stadt.

Und dazu noch vor Wänden in einem tiefen Tussi- Nagellack-Pink: großartig. Dazu diese Holzfiguren, die aussehen, als ob sie nächtens aus Vergnügungsparks geklaut worden wären – ach, es ist ein kühnes, verspieltes und in seiner Schrägheit völlig konsequentes Hirn, das sich hier diese Pracht ausgedacht hat. Jemand, der es gewohnt ist, seine Phantasie von der Leine zu lassen und sich in versponnenen Alice-im-Wunderland-Welten eben bestens auskennt. Wie gesagt: Tim Burton. (Und die Handschuhe hat Helena Bonham- Carter alle in ihren gefühlt 147 Rollen in Verfilmungen englischer Literaturklassiker getragen.) Ach, doch nicht Tim Burton? Dann handelt es sich um den Direktor des American Museum of Folk Art in New York. Oder um einen Set-Designer. Oder hier wohnt ein Disneyland-Architekt. Plus dessen oder deren Familie. Denn ich habe eins ganz vergessen: Hier wohnt auch ein Kind, ein zweifellos sehr, sehr glückliches, das niemals erwachsen werden muss.

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Autor:
Meike Winnemuth
Fotograf:
Karin Kohlberg