Wer wohnt denn da? Er wohnt hier

Der Brite James Buckley, Designchef der Strumpfmarke Falke, lebt in einem einstigen Forsthaus im Sauerland.

James Buckley, Designchef der Strumpfmarke Falke

Also, lassen Sie uns mal sortieren: ein britischer Designer, der unter der Woche in diesem typischen Wochenendhaus im Sauerland wohnt und am Wochenende in Köln. In etwa richtig so? Oft bin ich großstadtreif, aber am Ende des Wochenendes bin ich immer froh, wieder in die Ruhe meines Dorfes zurückzukehren. Wobei ich auch am Wochenende oft hier bin, wenn ich Besuch von meiner Patchworkfamilie oder von Freunden bekomme. Dieses Haus ist ideal dafür. Unter dem Dach gibt es neben meinem Schlafzimmer einen riesigen Raum, der sich in ein großes Matratzenlager verwandeln lässt. Wir haben da schon zehn Kinder beherbergt. Unten gibt es zwei Doppelbetten in Alkoven, sehr bequem für Familien. Die Eltern können noch lesen, während die Kinder nebenan schon schlafen.

Wie sind Sie an dieses Haus geraten? Als ich bei Falke anfing, wollte ich eigentlich etwas in Schmallenberg mieten, fand aber nichts. Dann entdeckte ich im Internet dieses alte Forsthaus in der Nähe. Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe immer von einem Holzhaus geträumt, denn ich bin selbst vom Land, aus den Yorkshire Dales. Ich glaube, die Deutschen kennen die Landschaft aus „Der Doktor und das liebe Vieh“.

Ich vermute mal, das Haus sah noch ganz anders aus, als Sie es kauften. Und ob. Im ersten Winter habe ich hier bei minus 25 Grad im Schlafsack direkt an einem Ofen campiert und tagsüber alle Wände rausgerissen.

Sie selbst? Ja, in der ersten Phase. Das war schon sehr sportlich (lacht). Den Ausbau haben Handwerker übernommen. Es gibt phantastische Schreiner im Sauerland.

Sie haben viel Eiche verwendet, oder? Ja. Ich liebe den Geruch und die Geräusche von Holz. Für die Küche haben wir Eiche aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs verwendet, mit Metallsplittern drin, die dem Holz dunkle Patina gaben. Ein echter Geniestreich ist ja das alte De-Sede-Sofa. Mutig und verrückterweise genau richtig in der Umgebung. Ich finde mehrere Sofas in kleinen Räumen immer ein Problem, da war ein einziges, aber variables Teil wie dieses genau richtig. Es ist beweglich wie eine Schlange. Besucher machen es sich schnell zu eigen und rücken es sich so zurecht, wie sie es gerade brauchen. Es sorgt sofort für eine lockere Stimmung.

Apropos locker: Wie sind Sie mit den Sauerländern klargekommen? Gut (lacht). Ich habe super Nachbarn. Ich glaube zwar schon, dass sie mich für einen Paradiesvogel halten, aber wie gesagt, ich bin vom Land. Die Leute aus Yorkshire sind ähnlich trocken wie die Sauerländer.

Die haben es auch entspannt genommen, dass Sie Ihr Haus mattschwarz gestrichen haben? Ja. Ich hatte schon immer eine Schwäche für schwarze Häuser, die bekommen dadurch so eine Tiefe. Derek Jarman hatte ein teerschwarzes Strandhaus in Dungeness, das mich beeindruckt hat. Und auf Holy Island im Nordosten Englands gibt es Hütten aus umgedrehten Schiffsrümpfen, in die Fenster und Türen geschnitten sind, ebenfalls schwarz.

Einen Engländer muss ich das fragen: Gibt es einen Garten? Nicht, wenn Sie unsere Nachbarn fragen (lacht). Wir mussten das Haus mit einer Natursteinterrasse quasi flutfest machen, weil der Bach hinterm Haus bei Schneeschmelze viel Wasser führt, es gibt auch mal Überschwemmungen. Sonst habe ich Samen von Wildgräsern gesammelt und ausgesäht, hier und da mähen wir einen Weg hindurch. Doch, man kann es einen Garten nennen.

 

 

Seite 2 : Er wohnt hier
Autor:
Meike Winnemuth
Fotograf:
Nina Struve