Los Angeles Viel Platz für Kunst

Greg Lynn wurde mit organischen, am Computer entwickelten Bauformen bekannt. In Los Angeles entwarf er für den Regisseur Jason Bloom und dessen Frau Jacki, ein Haus ganz im Blob-Design: aussen unauffällig, innen eine phantastische Landschaft aus Wölbungen und Höhlen.

Viel Platz für seine Bilder hatte sich der Bauherr jedoch ausdrücklich erbeten. Jason Bloom, der als Regisseur Komödien wie „Liebe per Express“ (mit Reese Witherspoon) realisierte, stammt aus einer prominenten Kunstsammlerfamilie. Seine Eltern (Vater Jake ist ein sehr einflussreicher Hollywood-Anwalt) zählten zu den Ersten, die in den USA in großem Stil japanische und chinesische Gegenwartskunst erwarben, er selbst hat sich auf Fotografie spezialisiert. Doch für seine Frau Jacki kam der viel beschworene „White Cube“ für die Kunst nicht infrage. Schließlich hatte sie bei Greg Lynn an der University of California in Los Angeles studiert und dann zehn Jahre in seinem Büro gearbeitet, ehe sie sich kürzlich selbstständig machte. Aber immerhin durfte eine Deckenlampe von Damien Hirst, die einmal im Londoner Restaurant Pharmacy des Künstlers gehangen hatte, die Dimension der Frühstücksnische bestimmen.

Gerade Wände für die Kunstkollektion mögen bei den Blooms Mangelware sein. Platz für eine andere Sammlung gibt es allemal. Denn den Regisseur und seinen Architekten verbindet eine Passion für Vinylspielzeug und Roboter, die beider Häuser immer wieder zu überwältigen drohen. Ganze Armeen von Androiden formieren sich auf schier endlosen Regalborden, auf denen es doch schnell zu eng wird. Zu Jackis Verzweiflung und zur Begeisterung der Kinder, die alle überschüssigen Roboter ihrer eigenen, stetig wachsenden Spielzeugsammlung einverleiben dürfen.

Die Freude an der Pop-Kultur und die Lust am Spiel sind allgegenwärtig in Greg Lynns Architektur, doch er weiß die technologischen Errungenschaften der Unterhaltungsindustrie auch ganz ernsthaft für sein eigenes Metier zu nutzen: Seit rund 15 Jahren manipuliert er eine Software, die eigentlich zur Gestaltung von Filmmonstern und anderen Phantasiefiguren verwendet wird, um immer neue seiner eigenwilligen Architekturformen zu entwickeln.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Karin Kohlberg