Los Angeles Kreatives Umfeld

Greg Lynn wurde mit organischen, am Computer entwickelten Bauformen bekannt. In Los Angeles entwarf er für den Regisseur Jason Bloom und dessen Frau Jacki, ein Haus ganz im Blob-Design: aussen unauffällig, innen eine phantastische Landschaft aus Wölbungen und Höhlen.

Für den Baumeister, der an fast allen Elite-Hochschulen der USA, an der ETH Zürich und an der Universität für angewandte Kunst in Wien gelehrt hat, ist das kreative Klima zwischen Silicon Valley und Hollywood fruchtbarer als jede andere intellektuelle Atmosphäre. Seine Experimentierfreudigkeit, die er unter anderem in den Dienst futuristischer Projekte für Disney stellt, zeigt sich auch in dem heiteren Haus der Familie Bloom. Jacki sah ihr Zuhause ebenfalls von Anfang an als Labor zur Erprobung neuer Materialien und Techniken. Es verkörpert eine besondere Mischung aus Hightech und gehobenem Handwerk, die mit Lynns Vision einer behaglichen Avantgarde einhergeht. So liegt den Ausbuchtungen der Wände eine mit dem Laser geschnittene Holzkonstruktion zu grunde, die Oberfläche aber wurde von einem – längst pensionierten – Meistergipser mit der Hand modelliert. Kücheninsel, Wanne und Schränke im Bad sind aus Corian, einem Kunststoff, der eine nahtlose Oberfläche erlaubt und für Lynn das zeitgemäße Äquivalent zu Marmor oder Granit ist: „Es ist haltbarer als Stein, formbar und hat keine Geschichte, kein Eigenleben.“ Aber es ist genauso schwer, und die Kücheninsel musste mit einem Kran ins Haus gehievt werden.

So verwendet Greg Lynn inzwischen das leichtere Karbon, das in der Produktion zwar emissionsintensiv, im Transport aber weniger umweltbelastend ist, auch im Vergleich zu natürlichen Materialien. Nicht grundsätzlich sei die Ökobilanz von Stein oder Holz besser als die von Kunststoffen, argumentiert er und probiert Karbon gerade an einem Katamaran aus, mit dem er fast ohne Wasserkontakt über den Pazifik gleiten will. Man könnte auch sagen: abheben.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Karin Kohlberg