Wer wohnt denn da? Er wohnt hier: Silvio Denz

Der Schweizer Luxus-Unternehmer Silvio Denz, beteiligt an Parfümhäusern, Weingütern, der Kristallmarke Lalique, lebt seit 2002 in diesem Haus in Richmond nahe London. Und in Zürich, Paris, Cannes, Saint-Emilion.

Silvio Denz in seinem Haus

Silvio Denz in seinem Haus.

Wieso Richmond, Herr Denz? Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Die Stadt mag ich zur Unterhaltung oder fürs Geschäft, aber zum Wohnen ist das Land besser. Richmond hat einen hohen Erholungswert. Allein die großen Parks, die Pubs und Restaurants an der Themse! Richmond war nicht umsonst lange der Sitz der englischen Könige. Und man ist in 20 Minuten in Heathrow und in 20 Minuten im West End.

Und warum London? Sie könnten sich ja jede Metropole der Welt aussuchen. Für mich waren die wichtigsten Städte stets London und New York. Ich mag die Engländer und ihren Humor. Sie sind zurückhaltend, nehmen die Dinge leicht.

Haben Sie das Haus gleich gefunden? Ursprünglich hatte ich ein typisch englisches Haus in der Nähe von Marble Arch. Sehr schmal, in jedem Stock ein Zimmer. Ich lege aber Wert auf Räume, die hoch und groß sind. Ich mag es nicht, wenn mir die Decke auf den Kopf fällt. Dieses Haus hat mich mit seiner Offenheit beeindruckt. Im unteren Geschoss gehen alle Räume ineinander über, und man sieht in den Himmel hinein, durch das ganze Haus hindurch. Es ist gebaut wie ein Schiff. Oben fühlt man sich wie an Deck. Das Haus passt zu meiner Lebensphilosophie: Freiheit, Offenheit, räumliche Unbeschränktheit, vielleicht auch seelische Unbeschränktheit.

Ich sehe sehr viel Glas in der Wohnung, das hat sicher mit Ihrem Engagement für Lalique zu tun. Aber ist es auch ein Material, das Sie besonders mögen? Für mich ist Glas ein viel interessanteres Material in der Kunst als etwa Bronze. Das Licht verändert es immer wieder. Nicht umsonst hat man René Lalique „Bildhauer des Lichts“ genannt.

Haben Sie einen Inneneinrichter hinzugezogen? Ich habe mich mit einem ausgetauscht. Aber ich hatte klare Vorstellungen, was für Möbel ich wollte: schlicht, damit ich Kunst aufhängen kann. Weiß oder hellbeige, mit einigen farbigen Akzenten.

Kam erst die Kunst, dann das Mobiliar? Nein, das Mobiliar muss wechselnde Kunst aushalten. Meine Bilder werden regelmäßig ausgetauscht. Ich kann mir nicht vorstellen, mit einem Werk mein ganzes Leben zu verbringen. Andererseits ist mein Kriterium für einen Kauf immer die Frage, ob ich es selbst aufhängen würde.

Hängen die Bilder von Terry Rodgers denn noch oder sind die schon ausgemustert? (Lacht). Die sind noch da. Das eine hinter dem Steinway – übrigens eine Spezialanfertigung mit weißgoldenen Pedalen, damit sie zum Chrom der Einrichtung passen – ist so gehängt, dass man den Eindruck hat, der Raum setzt sich fort. Im Bild gibt es auch schwarze Vorhänge und schwarze Lampen wie hier im Salon. Spielen Sie selbst auf dem Steinway? Nein. Der ist für mich wie ein Kunstgegenstand, so was schmückt auch eine Wohnung.

Sind Ihre anderen Besitztümer ähnlich eingerichtet? Im Mobiliar ja, die Kunst ist abgestimmt auf die Umgebung. In der Schweiz sind es eher Hodler und Lempicka, im Bordelais habe ich sechs Warhols, in Cannes einen Braque. Die Möbel sind sekundär, die müssen funktional sein.

Bei Menschen mit vielen Wohnsitzen vermutet man ja immer eine gewisse Ruhelosigkeit. Zu Recht? Momentan stimmt es, davor habe ich 20 Jahre lang in Zürich gelebt. Was mir gefällt, ist, dass ich heute machen kann, was mir Spaß macht. Es ist ein Horror für mich, irgendwo still zu sitzen.

Seite 2 : Er wohnt hier: Silvio Denz
Autor:
Meike Winnemuth
Fotograf:
James Merrell