Ein Haus von Fritz Höger Veränderungen und Möblierung

Der Hamburger Baumeister Fritz Höger entwarf das legendäre Chilehaus. Und wie wohnt es sich in einem seiner expressiven Privathäuser?

Was haben Sie an dem Haus von Fritz Höger verändert? Wir haben die Außenansicht so weit wie möglich wiederhergestellt, nicht nur die Fenster im Erdgeschoss auf die Originalgröße zurückgebracht und ihnen die alten Holzlaibungen wiedergegeben, sondern auch die zugebaute Loggia auf der Gartenseite dem Charakter nach wieder sichtbar gemacht. Also die alten Eckpfeiler freigelegt und dann über die ganze Fassade reichende Fenster eingebaut. Und wir haben eine moderne Wärmedämmung vorgenommen. Dafür konnten wir die Hohlschicht in dem zweischalig aufgeführten Mauerwerk nutzen. Durch kleine Öffnungen wurde der Silikat- Dämmstoff SLS 20, ein Abfallprodukt der Glasindustrie, eingeblasen. Auch die Haustechnik ist komplett saniert. Damit leben wir in einem faszinierenden Altbau mit den Annehmlichkeiten und den geringen Nebenkosten eines Neubaus.

Was schätzen Sie an Ihrem Wohnhaus? Den kubischen Charakter und die expressionistische Fassade mit dem gelben, sehr rauen Klinker und den ursprünglich lilafarbenen Fugen. Die starken Formen, wobei die Ausstrahlung im Innern warm ist. Die Geschlossenheit nach vorn und die Öffnung zum Garten.

Man sagt, es sei das Mätressenhaus eines reichen Hamburger Kaufmanns gewesen. Was ist im Alltag ärgerlich? Trotz umfangreicher Kellersanierung haben wir immer noch Probleme mit Feuchtigkeit. Im Sommer hilft nur der Einsatz elektrischer Luftentfeuchter.

Was sollte Fritz Höger bei diesem Haus heute anders machen? Energieeffizienz herstellen. Wir haben für die Kerndämmung den sechs bis sieben cm breiten Mauerzwischenraum genutzt. Üblich sind heute zwölf cm.

Haben Sie sich beim Möbelkauf am Stil des Hauses orientiert? Das Haus ist sehr dominant und wirkt bereits leer durch die Sprossen an den Fenstern und durch die Holzböden wohnlich. Unruhige Möbelstücke würde es nicht verkraften. Wir wählen bewusst schlichte Regale oder Stühle.

Wenn Sie alle Freiheiten hätten, was würden Sie mit dem Haus tun? Im Keller können wir nur gebückt laufen, er war offenbar nur als Kriechkeller geplant. Ich würde ihn größer machen, um etwa Raum für Sport zu haben.

Streifen oft Architekturfans ums Haus? Viele junge Architekten und Architekturinteressierte fotografieren und sprechen uns an. Wir freuen uns darüber und sind schon ein bisschen stolz.

Seite 2 : Veränderungen und Möblierung
Schlagworte:
Autor:
Gert Kähler
Fotograf:
Thomas Elmenhorst